Kufsteinerland

Interview mit Gerald Pichowetz

im Rahmen des Operettensommer Kufstein

Diese Woche möchte ich euch gerne Gerald Pichowetz vorstellen. Er zeichnet sich im diesjährigen Operettensommer Kufstein für die Inszenierung des Zigeunerbarons von Johann Strauß verantwortlich.

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Im heurigen Operettensommer der Festungsstadt dreht sich nämlich alles um „Borstenvieh, Schweinespeck und Strauß-Melodien“. Johann Strauß (Sohn) schrieb die Operette innerhalb von zwei Jahren, ehe das Werk am 24. Oktober 1885 am Theater an der Wien erstmalig aufgeführt wurde. Im Zentrum steht dabei die Rolle des jungen Sándor Barinkay, der nach 25 Jahren Exil in seine rumänische Heimat zurückkehrt. Die elterlichen Ländereien hat jedoch der Schweinzüchter Zsupán besetzt. Um einen Konflikt aus dem Wege zu gehen, willigt Sándor ein, dessen Tochter Arsena zu heiraten. Arsena ist jedoch heimlich den jungen Ottokar, den Sohn ihrer Erzieherin verliebt. Sie weist Sándor unter dem Vorwand ab, dass er zumindest ein Baron sein müsse, um sie zur Frau zu bekommen.

Czipra, eine alte Zigeunerin, erkennt in Sándor den Sohn des früheren Besitzers und macht ihn mit den Zigeunern bekannt. Diese machen ihn gleich zu ihrem "Baron". Dort verliebt sich Barinkay in die „Zigeunertochter“ Sáffi. Nach viel Streiterei und Aufständen, einigen Hindernissen und dem Einzug des Helden in den Krieg, kann er am Ende des Stücks die Liebe seines Lebens heiraten.

Wie sind Sie zu Kufstein gekommen?

Damals habe ich Didi Strasser, seines Zeichens künstlerischer Leiter der Wiener Volksoper, über Rudi Berger (Operettensommer-Gesamtkonzept) kennen gelernt, der einen Komiker für das Stück „Gräfin Mariza von Emmerich Kalman“ gesucht hat. Das war in etwa vor 5 bis 6 Jahren. Vor 3 Jahren durfte ich dann „Der Vogelhändler von Carl Zeller“ für den Operettensommer Kufstein inszenieren.

Werden Sie längerfristig für den Operettensommer Kufstein arbeiten?

Zuständig für die Intendanz ist ja Rudolf Berger, die kaufmännische Leitung hat Josef Resch. Der Umfang meines Engagements steht für nächstes Jahr noch in den Sternen.

Die Auswahl wird immer von Herrn Berger gemacht. Für ihn und den Operettensommer insgesamt ist eine populäre Unterhaltung auf hohem Niveau wichtig.

Sie haben ja einiges am Zigeunerbaron umgeschrieben – mit welchem Hintergedanken?

Die Ausgangslage war, dass man nicht spät bis in die Nacht spielen kann, sprich die Originallänge von 3,5 Stunden für den Zigeunerbaron in Kufstein einfach zu lange gewesen wäre. Daher musste das Stück eine Kürzung erfahren und auf 2 Stunden gestrafft werden. Sonst würde alleine die Musik um die 2 Stunden in Anspruch nehmen.
Mein Ziel war es, eine sinnvolle Rahmenhandlung zu finden, da der Zigeunerbaron sonst eher schwer zu verstehen ist. Hier kam mir die Idee den Sitten-Kommissär Conte Carnero mit der Kaiserin Maria Theresia kommunizieren zu lassen. Dies passte auch gut, da es ja heuer ein Jubiläum gibt – 300 Jahre Kaiserin Maria Theresia.

Worauf wurde bei der Wahl und Besetzung der Rollen und Charaktere besonders geachtet?

Der Gesang für den Zigeunerbaron ist eher anspruchsvoll, da es ja ein Versuch von Strauß war eine Oper zu schreiben. Herr Berger hat daher sorgfältig und meines Erachtens gut ausgewählt, vor allem auch Menschen, die spielen und singen können.

Josef Forstner in der Rolle von Conte Carnero stammt aus Oberösterreich und hatte bereits 1969 sein erstes Engagement am Linzer Stadttheater und ist seit 1976 festes Mitglied der Wiener Volksoper. Im Jahr 2005 wurde ihm der Titel „Kammersänger“ verliehen. Ein weiterer großer Name in der Besetzung mit Lokalbezug durch ihre Rolle im Bergdoktor ist Frau Monika Baumgartner als Kaiserin Maria Theresia.

Sie nehmen im Stück ja Bezug auf die aktuelle politische Lage in Österreich – also, den Wahlkampf. Was waren ihre Hintergedanken?

Der Dialog sollte spaßig sein. Die Menschen warten richtig darauf im Couple Stoff zum Lachen zu bekommen. Ich habe mir daher in 1 ½ Seiten erlaub eine kabarettistische Note einzubauen, die ich bei jeder meiner Inszenierungen einbaue. Das ganze macht die Operette zum Sommertheater und etwas spritzig.

Darf ich Sie noch zu Ihrer Vita und weiteren Projekten für heuer befragen?

Aber gerne doch … ich sitze gerade in der Steiermark, genauer genommen in Eppenstein. Geplant sind am Gloria Theater „Floh im Ohr“, „Nur eine Stunde Ruhe“ von Steidl, zu Silvester passend gibt es eine Uraufführung „Ein Schluck zu viel“, nächstes Jahr ein Volksstück von Anzengruber … und wenn der Operettensommer wieder auf mich zukommt, arbeite ich auch hier wieder mit.

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