Kufsteinerland

Tradition Almabtrieb

Top gestylte Kühe, Schnaps und leckere Schmankerl

Da ich selbst in einem kleinen Dorf aufgewachsen bin, dass vermutlich mehr Kühe als Einwohner zählt (und das meine ich im positiven Sinne, denn dort ist die Welt noch in Ordnung), bin ich natürlich seit jeher mit der Tradition Almabtrieb konfrontiert. Und diese Tradition macht auch im Kufsteinerland nicht halt vor mir. Allerdings gibt es hier mehr als nur einen Almabtrieb. Und einen in einer „Form“, die ich noch nicht kannte.

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Soooooo süss!

Aber erstmal zum Begriff Almabtrieb – in diesem Sinne vielen Dank für die Formulierung, Wikipedia: „Als Almabtrieb bezeichnet man im Alpenraum die Überführung des Viehs von den Bergweiden (Almen) ins Tal, wo es in den Stallungen der Bauernhöfe überwintert.“

Denn auf der Alm wird logischerweise in den kälteren Jahreszeiten das Futter knapp, deshalb werden die Kühe zurück in ihren Stall gebracht. Im Dorf heißt man dann die Bauersleute und ihre Tiere mit einem rauschenden Fest herzlich willkommen.
Sich eine Herde von Kühen durch einen Ort spazierend anzusehen mag vielleicht nicht aufregend zu lesen klingen, ist aber ein absolut einzigartiges Erlebnis, dass man zumindest einmal gesehen haben sollte! Denn die „Kia“ (nein, nicht die Automarke sondern die Mehrzahl für "Kuh" auf Tirolerisch) sind mit aufwendigen, teils riesigen, bunten Blumenkränzen geschmückt.

Ein Makeover für die Vierbeiner?

Ja, genau so sieht’s aus. Allerdings werden die Tiere nur geschmückt, wenn der Sommer für Mensch und Tier ohne tödliche Unfälle verlaufen ist. Ich habe schon mal einen Almabtrieb erlebt, bei dem dies (leider) nicht der Fall war – die Kühe sind ohne Schmuck in die Stallungen gebracht worden. Und man glaubt es kaum, aber die Emotion in einem wird wirklich geweckt. Schließlich weiß man ja genau, warum die Kühe nicht geschmückt sind. Man spürt auch irgendwie, dass die Tiere traurig sind – klingt vielleicht komisch, ist aber so.

Wie auch immer - umgekehrt ist es dasselbe: Wenn die Vierbeiner mit ihrer Blütenpracht auf den Köpfen vorbeilaufen, dann begeistert das. Es lässt dich Freude spüren und macht irgendwie glücklich, es anzusehen. Und die Kühe freuen sich, dass der Sommer gut verlaufen ist und sie nun in ihren Ställen kuscheln können.

Der Blumenschmuck und seine Bedeutung

Die prachtvollen Kränze entstehen aus den Schätzen der Natur. Zweige, Blumen und Knospen werden mit bunten Bändern zu einem Kopfschmuck gebunden, oftmals in der Form eines Kreuzes. In den Kränzen findet man auch oft Bilder von Heiligen. Damit bitten die Bauern um den Schutz des Himmels. Kleine Spiegel und die allseits bekannten Kuhglocken sollen dazu noch böse Geister vertreiben. Übrigens: wir groß die Glocke des Tiers ist, entscheidet das Alter: umso älter, umso größer. Genauso wird auch über die Größe des Kopfschmucks entschieden – die Leitkuh (die älteste der Herde) darf mit dem größten und aufwendigsten Kopfschmuck in den Stall stolzieren.

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Die Kränze mit den eingearbeiteten Bildern. Ein Aufwand, der sich absolut lohnt!

Nun zu den wichtigen Dingen 😉

Spaß beiseite, aber das Rahmenprogramm, die leckeren Köstlichkeiten und die hochprozentigen Getränkekarten rund um die Almabtriebe gehören dazu, wie die Festung zu Kufstein. Von Schmankerl wie Tiroler Kiachl, Käse aus der eigenen Sennerei und Speck vom Metzger, bis hin zu selbstgebrannten Schnapserln und Liköre in jeder erdenklichen Form und Geschmacksrichtung. Jeder Hunger und jeder Durst wird gestillt, und ein Schnapserl zu trinken ist gehört einfach dazu. Natürlich werden auch antialkoholische Durstlöscher angeboten. 😃

Und was keinesfalls fehlen darf, sind Trachtenvereine und Brauchtumsgruppen, die „Schuachplattl’n“ und traditionelle Volkstänze tanzen. Das auch für musikalische Unterhaltung gesorgt ist, erklärt sich somit also von selbst.

Kleiner Tipp: ein Mitbringsel für die Liebsten findet sich ganz schnell bei Almabtrieben: es sind zahlreiche Handwerker vertreten, die ihre Künste präsentieren. Besondere Geschenke für besondere Menschen - vorausgesetzt man kann sich selbst von den tollen Werken trennen ;)

Diese Kühe sehen aber komisch aus

Wie ich am Anfang schon geschrieben habe, gibt’s im Kufsteinerland einen Art von Almabtrieb, von der ich noch nie gehört, geschweige denn einen solchen gesehen habe. Der Unterschied zu den „mir bekannten“ Almabtrieben liegt an den Tieren – es sind nämlich keine Kühe, die von den Almen zurückkehren, sondern Pferde! Und zwar beim Haflinger Hengstalmabtrieb.

Wer jetzt an den Fohlenhof Ebbs denkt, liegt goldrichtig. Der steckt natürlich hinter diesem tollen Event. Aber seht selbst:

Neben dem Hengstalmabtrieb in Ebbs, gibt es auch einen Almabtrieb in Kufstein – direkt in der Stadt. Stadt und Land werden quasi Eins. Natur und Kultur treffen aufeinander. Die naturnahe Festungsstadt steht ganz im Zeichen Tiroler Tradition. Uuuund dann gibt es auch noch einen (besser gesagt zwei) Almabtriebe in Landl (Thiersee). Hier werden die Kühe auf zwei Partien aufgeteilt ins Tal gebracht, deshalb feiert man hier dementsprechend auch gleich zweimal. Tja, so kann man’s auch machen.

Ohhh - fast hätte ich noch was Wichtiges vergessen!

Es geht um Essen, also ist es wirklich wichtig. Da die Wanderungen von der Alm zurück ins Tal meistens ein eher längerer Marsch sind und Energie kosten, brauchen die Bauern eine kleine Stärkung zwischendurch. Und hierbei kommt ein zuckersüßes, leckeres Gebäck ins Spiel: die Almnüsse. Der Name klingt witzig, oder? Den haben sie von ihrer Größe, die durchschnittlich haselnussgroß ist. Zubereitet wird die Köstlichkeit einen Tag vor dem Almabtrieb von Frau und Tochter / Töchtern. Da sie viel Fett und Zucker enthalten, sind die Almnüsse der optimale Energielieferant.

Falls ihr jetzt neugierig geworden seid und Lust auf Almnüsse habt: das Rezept findet ihr oben in der rechten Spalte.

Also, rein ins Dirndl oder in die Lederhose und auf zum Almabtrieb!

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"A Dirndl oda a Ledahos muas scho sei!"

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