Kufsteinerland

Wie man zur Königin wird? Gewusst wie…

Zu Besuch beim Bienen Schorsch

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Besuch beim Bienen Schorsch auf der Aschinger-Alm

Bienen – ein unglaublich faszinierendes Volk das so eng mit der Natur verknüpft ist und extrem viel leistet und doch ist alles abhängig von einem einzigen Tier, der Königin. Eine heiß beliebte Position innerhalb des Bienenstocks und doch ist es nur für ein Exemplar vorgesehen auf den Thron zu steigen. Wie ist das möglich? Mit dem geheimnisvollen Gelee Royal. Georg Kitzbichler, auch bekannt als „Bienen-Schorsch“ nimmt uns mit in die faszinierende Welt der Bienen.

Vom Ei zur Larve

21 Tage dauert es bei den normalen Larven bis sie sich vom Ei befreien und schlüpfen. Das erklärt und demonstriert und Georg gleich zu Beginn in seinem Bienenhaus unweit der Aschinger-Alm. Innerhalb einer mit Wachs gedeckelten Wabe haben sie jede Menge Zeit und Wärme sich zu prächtigen Bienen zu entwickeln. Sobald sie geschlüpft sind, beißen sie sich den Weg selbst frei und beginnen sofort für 3 Wochen mit der Stockarbeit. Dabei sind sie selbst noch ganz schwach und blass. Sie ernähren sich vom Honig der für sie rund um das Zentrum des Bienenstocks gelagert wird. Die Königin beginnt nämlich im Zentrum mit der Eiablage und arbeitet sich kreisförmig nach außen vor. 2-3 Tage braucht sie, damit die inneren Waben alle mit Eiern belegt sind.

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In den mittleren Waben sind die Eier, außen die Nahrung für frisch geschlüpfte Bienen in Form von Honig.

Wie wird man denn nun zur Königin?

Eine ganz simple Methode führt dazu. Eine Larve bekommt anderes Futter, das sogenannte Gelee Royal. Durch spezielle Inhaltsstoffe wird die Königin doppelt so groß und schlüpft schon 5 Tage vor ihren Geschwistern nach 16 Tagen. Sie wird je nach Geburtsjahr mit einer speziellen Farbe auf dem Rücken gekennzeichnet. Dies passiert auf der ganzen Welt gleich, sodass man überall erkennen kann aus welchem Jahr sie stammt. Dieses Jahr ist blau an der Reihe. Insgesamt gibt es 5 Farben, da Königinnen maximal 4-5 Jahre alt werden. Danach wird die Farbreihe von neuem begonnen. Die Kennzeichnung erleichtert das Finden in einem Stock in dem es ja doch ganz schön wuselt. Das führt auch dazu, dass er im Zentrum konstant eine Temperatur von rund 36°C hat, egal wie die Witterung außerhalb ist. Die Königin ist bis zur in den Oktober hinein fleißig mit Eier legen beschäftigt. Kommt der erste Nachtfrost, hat sie für 21 Tage Pause vom Eier legen. Es wird zwischen unbefruchteten und befruchteten Eiern unterschieden. Die unbefruchteten werden zu Drohnen, die befruchteten zu Arbeiterinnen.

Das harte und kurze Leben einer Drohne

Die Drohnen sind nur zur Befruchtung und für die Harmonie im Stock zuständig. Die Königin paart sich nur ein einziges Mal hoch in der Luft mit etwa 20 Drohnen. Die gesammelten Spermien behält sie dann ihr ganzes Leben lang. Die Drohnen erleidet danach ein grausames Schicksal: sie fallen tot zu Boden. Sobald die Drohnen insgesamt nicht mehr benötigt werden, findet die sogenannte Drohnenschlacht statt. Sie werden nicht mehr in den Stock gelassen und verenden spätestens dann.

Bienenvölker: Beruf und Berufung zugleich

Bei unserem Besuch beim „Bienen-Schorsch“ erzählt er uns wie viel Arbeit Bienenvölker bedeuten. Man sollte sich das gut überlegen, bevor man sich Völker zulegt. Ca. 2 Jahre empfiehlt er Neulingen sich einen Bienenpaten zu nehmen. In dieser „Lehre“ erfährt man alles Wichtige zu dem System Bienenstock und lernt zugleich den richtigen Umgang mit dem Stock. Bewegungen und Handgriffe wollen gut eingeübt sein, um die Bienen nicht zu beunruhigen und somit auch zum eigenen Schutz. Georg besitzt 50!! Völker. Wenn man bedenkt, dass ein Anfänger ca. 1 Stunde pro Woche und Volk investiert, wären das bei 50 Völkern 50 Stunden in der Woche, ein kompletter Vollzeitjob. Die Entlohnung dafür sind dann 10 bis 15 kg leckeres, „flüssiges Gold“ pro Volk.

Es droht Gefahr von allen Seiten

Abgesehen von Monokulturen, Düngemitteln und Pflanzenvernichtungsmitteln, welche den Bienen bei uns sehr zu schaffen machen, droht zudem Gefahr von ganz anderer Seite: Der Varroa-Milbe. Die Milbe beißt sich bei den Larven fest, saugen deren Blut und schwächen sie so, dass sie sehr viel kürzer leben.

Georg zeigt uns eine Methode wie er als erster in Tirol versucht die Milbe auf natürliche Art und Weise los zu werden. Im Stock legt er mehrere Waben übereinander getrennt voneinander mit 2 Gittern. Oben wird eine Wabe eingelegt, die mit Milben befallen sind, unten eine ohne Befall. Sobald die Bienen schlüpfen, kommt auch die Milbe aus der Wabe hervor und versucht zur unteren Schicht zu gelangen, die mit Lockstoffen versehen ist. Das erste Gitter lässt die Milben durchfallen, die Bienen aber nicht. Das zweite Gitter verhindert das weitere Durchkommen der Milben zu den gesunden Bienen, wodurch sie verhungern. Dass Georg viel an seinen Bienen liegt, merkt man an den sorgsamen Handgriffen, die er bei all seinem Umgang ruhig und sanft durchführt. „Sowas braucht viel Erfahrung“ meint er später. Und das glauben wir ihm.

Viel Theorie, nun zur Praxis: Die Verkostung

Viel Erfahrung und Gespür braucht es auch bei der Herstellung seiner Honigprodukte. Zuerst dürfen wir seinen Honigschnaps kosten. Trotz 40%!!! Alkohol schmeckt man diesen überhaupt nicht. Er ist leicht süßlich und den Honig kann man definitiv erschmecken. „Das Geheimnis des Geschmacks liegt in der Herstellung“, verrät Georg uns. Dafür nimmt er das Verdeckelungswachs der Waben und setzt es mit Birnenschnaps für circa eine Woche bei 30°C im Wärmeschrank an. Die Masse wird dabei flüssig und wird danach abgeschüttet. Für zwei Monate muss das Ganze nun lagern bis sich die Schwebstoffe absetzen und er langsam von oben herab den fertigen Honigschnaps abschöpfen kann.

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Der süßliche Honigschnaps schmeckt köstlich!

Ein weiteres Highlight das uns erwartet ist der Honig. Mit einer ordentlichen Portion Brot und Butter machen wir es uns in der Aschinger Alm gemütlich. Auf den Tisch kommt zum einen klarer, geschleuderter Honig und cremiger, trüber Honig. Die Besonderheit beim gerührten Honig ist, dass er nach 2 Monaten ruhen, kandiert - also fest wird - und dann auf 33°C angewärmt wird. In diesem Zustand wird er gerührt und erhält dadurch seine cremige Konsistenz.

Für mich ist das in diesem Moment zweitrangig, beide schmecken einfach genial! Der cremige ist besonders bei Kindern beliebt, weil man ihn ganz dick aufs Brot auftragen kann, ohne dass er davonläuft. Das ist für mich das ausschlaggebende Argument definitiv ein Glas mitzunehmen! Dank des Hofladens auf der Aschinger Alm ist das auch problemlos möglich.

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Der cremige, gerührte Honig ist mein Favorit. Man kann ihn unglaublich dick aufs Brot schmieren!

„Der Wald honigt!“

Am Schluss erklärt uns Georg noch, dass 2016 bisher ein feucht-nasses Jahr war. Die Bäume haben also viel Saft für Insekten, den sogenannten Honigtau. In solchen Jahren sagt man „der Wald honigt gut“. Dieses glasklare Zuckerwasser holen sich die Bienen gerne. Wie daraus letztlich dickflüssiger, goldfarbener Honig wird, bleibt bis auf weiteres aber ein Geheimnis der Natur. Das ist für mich aber auch nicht so tragisch, ich habe heute wieder so vieles über die Natur gelernt, dass ich aufs Neue fasziniert von ihr bin!

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