Kufsteinerland

Der Herbst ist da!

Wie die Tierwelt im Umland sich auf den Winter vorbereitet

Offiziell beginnt der Herbst am 1. September, der meteorologische Herbst! Für mich beginnt er am 21. September, doch auch das war heuer nicht zu erkennen. Sogar Mitte Oktober gingen einige, so auch ich, nochmal kurz in den Seen baden, unglaublich dieser Herbst!

Wir Menschen haben es gut! Man kann die schönen warmen Tage auskosten und genießen und wenn es kalt wird, dann ziehen wir uns wärmer an und drehen die Heizung auf. Dieser Wechsel von warm auf kalt wird kommen, vermutlich rasant und extrem. Was für uns Menschen kein Problem ist, denn wir sind gerüstet, fordert dem Tierreich schon mehr Intuition und Vorausschau ab.

Warum werden sie von einem plötzlichen Wintereinbruch nicht überrumpelt?
Wie und wann bereiten sie sich vor?
Woran orientieren sich die Tiere?

Kaisertal_Kaisergebirge_Herbst_Berge
Kaisergebirge im Herbstkleid

Tageslichtlänge

Ein wichtiger Faktor ist die Tageslichtlänge. Zu Herbstbeginn werden die Tage kürzer, am 21.9. ist Tag/Nacht-Gleiche, ebenso wie am 21.3. - dem Frühlingsbeginn - nur da werden die Tage wieder länger. Diese Tatsache gibt den Startschuss zur Wintervorbereitung im Tierreich. Auch wenn es sonnig und warm ist – die Tage werden kürzer! Und das merken die Tiere und daran orientieren sie sich.

Es beginnt der Fellwechsel, Fettreserven werden angefressen, Nahrungsdepots werden angelegt, die Reise in den Süden wird vorbereitet, Nester und Höhlen werden ausgepolstert und kuschlig gemacht, Höhlen und Felsritzen werden aufgesucht oder man hat keine andere Wahl und der Lebensabend ist gekommen und man stirbt.

Winterschlaf oder Winterruhe?

Dazu muss man erst einmal die Tiergruppen unterscheiden. Jeder kennt die Begriffe Winterschlaf und Winterruhe. Das betrifft hauptsächlich die Säugetiere wie Bären, Murmeltiere, Eichhörnchen und den Igel, aber auch die Fledermaus und den Siebenschläfer. Sie reduzieren ihren Stoffwechsel und verschlafen den Winter in ihren Höhlen, Nestern und Kobeln, zumindest teilweise. Wer aufwacht, wie das Eichhörnchen, hat vorgesorgt und kann sich aus den zahlreichen Vorratskammern versorgen. Heuer dürfte für alle genug da sein! Nur Vorsicht! Der ebenfalls hungrige und aktive Fuchs schleicht herum und hofft auf eine kleine unvorsichtige Beute! Er jagt auch im Winter, ein Winterpelz und ein gut gegrabener Bau schützen ihn vor der Kälte.

Was gibt es sonst noch für Strategien?

Was macht zum Beispiel der Hirsch, das Reh und die Gams? Sie sind aktiv und halten durch, hoffentlich! Ein wärmeres Fell mit Hohlräumen schützt sie vor den eisigen Temperaturen und sie kommen näher ins Tal, manchmal bis in die Gärten. Wenn ihre angefressenen Fettreserven verbraucht sind, wird es karg. Mit den Hufen scharren sie im Schnee und suchen nach fressbaren Gräsern und Wurzeln. Wenn sie keine finden, verbeißen sie Bäume und Sträucher. Dass es nicht dazu kommt wird durch die Wildfütterung vermieden. So sorgen Förster und Jäger dafür, dass es dem Wild gut geht und es mit der richtigen Nahrung gut durch den Winter kommt.

Wir Wanderer können auch etwas fürs Wild tun – es nicht aufschrecken, auf den Wegen bleiben, die Morgen- und Abenddämmerung meiden, um Wildfütterungen einen Bogen machen, bei unserem Freizeitvergnügen die Tiere im Wald nicht vergessen! Jede Flucht kostet sehr viel Energie!

Und was machen die Vögel?

Da unterscheidet man die Zugvögel – die Insektenfresser und die Standvögel – die Samenfresser.

Die Zugvögel haben sich schon lange verabschiedet, das hat man heuer gar nicht wahrgenommen. Sie fliegen in den Süden, denn bei uns gibt es im Winter nicht genug Insekten. Erst im Frühling schlüpfen diese aus den Eiern und dann kommen die Schwalben und Mauersegler und all die anderen wieder zurück.

Die Standvögel sind unsere gefiederten Freunde am Futterhäuschen, die sich über ölhaltige Samen und Nüsse freuen. In der Natur finden sie einige Zapfen, Beeren und so manchen Apfel, der noch im Baum hängt. Die Eichelhäher haben ebenfalls Nüsse versteckt, und die, die nicht mehr gefunden werden, tragen zum Bestand der heimischen Nussbäume bei, wenn sie im Frühjahr austreiben.

All diese Tiere hinterlassen Spuren. Man findet ihre Fußabdrücke, sogenannte Trittsiegel im Schnee oder Matsch. Das geübte Auge kann die Spur vom Reh von der Gams unterscheiden, oder ob es ein Fuchs oder ein Dachs war, der vorbeispaziert ist. Vögel und sogar Mäuse hinterlassen ebenfalls typische Trittmuster. Auch Fraßspuren verraten uns die Anwesenheit von Tieren. Abgeknabberte oder angenagte Zapfen können auf Eichhörnchen, Mäuse oder verschiedenen Vögel hinweisen. Auch die verschiedenen „Häufchen“, Losung genannt, verraten einiges. Die findet man von Rehen, Hirschen und Gämsen, vom Fuchs meist etwas erhöht auf einem Stein oder Baumstrunk, bei den Vögeln kann man manchmal das „Menü“ erkennen, sehr verräterisch sind auch die „Erdnussflips“ der Rauhfußhühner, zum Beispiel des Auerhahns.

Und was machen die Frösche, Schlangen und Salamander?

Die Reptilien und Amphibien sind wechselwarm, das bedeutet, dass sich ihre Körpertemperatur der Umgebungstemperatur anpasst. Sie erstarren. Ihr Körper hat einen Frostschutz eingelagert, welcher verhindert, dass ihre Körperflüssigkeit gefriert. So kriechen diese Tiere tief in den Boden, meist in frostfreie Tiefen und verharren dort. Ihr Stoffwechsel ist sehr reduziert, sie atmen kaum und der Herzschlag ist sehr verlangsamt, sie fressen auch nichts. Erst wenn die Tage wieder länger werden, der Boden auftaut und die Sonnenkraft zunimmt, erwachen sie aus ihrer Starre und kommen an die Oberfläche zurück.

So konnte ich neulich Erdkröten beobachten, die abends in den Wald gekrochen sind, um an Land in Erdhöhlen und Felsspalten zu überwintern. Auch die Feuersalamander sind noch unterwegs, sie hatten diesen Sommer wenig Gelegenheit für einen Spaziergang im Regen. Jetzt wird nochmal gefressen, dann noch gepaart, damit nach der Winterstarre die Weibchen ihre ausgereiften Jungen in den kalten Frühlingsbach absetzen können. Mit etwas Glück kann man um diese Zeit bei nasskaltem Wetter jede Menge Feuersalamander antreffen!

Dann gibt es noch Würmer, Schnecken und sonstiges Getier.

Auch sie sind wechselwarm und erstarren. Die Schnecken schützen ihr Haus noch zusätzlich mit einer Art Haustüre. Ein Kalkdeckel verschließt die Öffnung und verhindert, dass sie in ihrem wehrlosen Zustand aufgefressen werden können. Die Würmer im Boden, so auch der smaragdgrüne Regenwurm, der eine Besonderheit im Kaisertal ist, kriechen sehr tief in den Boden. Soweit es der felsige Untergrund eben zulässt.
Auch einige Insekten können im Boden, im Wasser oder unter Rinden den Winter überstehen, aber die meisten Insekten sterben im Winter und sichern ihr Überleben mit einer großen Anzahl an abgelegten Eiern, aus denen im Frühjahr wieder viele, viele Larven schlüpfen. Manche dieser Larven schaffen ihre Metamorphose nicht in einem Jahr, sondern überwintern als Larve oder Kokon/ Puppe und schlüpfen dann im Frühling als fertig entwickeltes Insekt, wie zum Beispiel einige Frühlingsschmetterlinge. Bei manchen Tieren sind wir ehrlich gesagt froh, wenn sie den Winter nicht überleben. Ein langer, kalter Winter schützt uns vor vielen Schädlingen, wie zum Beispiel den Zecken.

Man kann sehen, für die Tiere kommt eine harte Zeit. Aber sie haben ihre Strategien. So wie auch wir Menschen: einheizen, warm anziehen und Tee trinken! ;)

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Warm anziehen und Tee trinken

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