Kufsteinerland

Kleiner Schrauberworkshop für Zuhause

Das 1x1 der Fahrradpflege

Im Rahmen des Kufsteinerland Radmarathons durften wir in die Welt der Fahrradmechaniker schnuppern. Peter Stöger von Radsport Stöger in Kufstein war so nett und hat uns 10 kleine Kniffe und Tricks gezeigt, die jeder ganz leicht zu Hause nachmachen kann. Dabei geht es nicht nur um das Säubern des Rades und seiner Einzelteile, sondern auch um kleine Einstellungen bzw. Verbesserungen zur Funktionalität des geliebten Zweirades. Aber lest am besten selbst. (Anmerkung: Wir haben uns an unseren Rennrädern probiert, vieles gilt natürlich aber auch für MTBs und andere Räder)

1. Wie wasche ich mein Rad am besten?

Peter empfiehlt: Dusche dein Rad regelmäßig mit einer Brause ab. Bitte verwendet keinen Hochdruckreiniger, das wäre zu grob und unnötig. Die Gartendusche oder ein Schlauch tun es auch. Bitte keine rückfettenden Putzmittel verwenden! Sollten die auf den Felgen landen, ist die nächste Abfahrt ungewollt rasant. Es braucht allerdings kein spezielles Fahrrad Waschmittel. Danach Kette reinigen…


2. Und wie reinige ich die Kette?

Peters Geheimwaffe (Achtung Schleichwerbung!): Das Mittel „Innobike High Tech Ketten Fluid 105“ mit Pinselaufsatz. Seit einer Fahrradmesse ist er überzeugter Nutzer und verkauft es auch im Shop. Dadurch wird die Kette gesäubert und gleichzeitig gepflegt. Durch den Pinselaufsatz tropft das Mittel nirgends hin, wo es nicht soll (z.B. auf Scheibenbremsen hat es absolut nichts verloren!) und man kann es ordentlich dosieren. Sollte die Kette sehr staubig sein, vorher mit einem Tuch abwischen. Danach die Pedale ein paar Mal schnell drehen, damit die Zentrifugalkraft den Schmutz nach außen transportiert. Anschließend die Kette mit einem Lappen umschließen und wiederum drehen. So macht man dem Schmutz den Garaus.

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Das Ketten Fluid unten auftragen, damit nicht aus Versehen etwas (wenn vorhanden) auf die Scheibenbremsen tropft.
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Auf Tuchfühlung mit der verstaubten Kette.

3. Wann muss ich meine Kette eigentlich pflegen?

Wenn ich beim Angreifen das Gefühl habe, sie ist trocken ist es höchste Zeit. Dann hat sich schon jede Menge Feinstaub von der Straße abgesetzt. Natürlich auch wenn sie stark verschmutz ist (die Tuchbehandlung nicht vergessen), weil man sich z.B. eine kleine Offroad Tour gegönnt hat.

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Mit einem Kettenschloss ist die Kette schnell gewechselt.

4. Und was ist, wenn das alles nichts mehr hilft?

…Kette wechseln. Zumindest wenn der Abstandsmesser deutlich zeigt, dass die Kette durch ist. So ein Abstandsmesser ist nicht teuer und es empfiehlt sich einen für wenig Geld zuzulegen. Er zeigt an, ob der Abstand zwischen den Kettengliedern zu groß ist. Fährt man lange über das Lebensende der Kette hinaus, kann man das Pech haben die Kassette hinten und die Kettenblätter vorne tauschen zu müssen. Das wird dann teuer!

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Durch die Drehbewegung der Kassette geht das Reinigen ratzfatz.

5. Apropos Zahnkranz: Wie mache ich den denn sauber?

Jeder der das schon einmal gemacht hat weiß, das ist nervig. Nicht wenn man Peters Rat befolgt: Hinterrad ausbauen, das Rad zwischen sich und einer Hauswand o.ä. klemmen und mit einem Tuch in beiden Händen (s. Foto) durch alle Zwischenräume hindurchziehen.

Wo wir schon beim Hinterrad ausbauen wären…

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Ausgebaut war das Hinterrad schnell, und einbauen?

6. Wie baue ich möglichst schnell meine Räder aus und ein?

Das Vorderrad ist selten das Problem. Schnellspanner und Bremsen auf, Rad raus bzw. rein und fertig. Aber hinten??? Peters Tipp: Zuerst die Gänge hinten auf das kleinste Ritzel und vorne auf das kleinste Kettenblatt. Somit ist die Spannung auf der Kette am geringsten und erleichtert das Einbauen. „Beim Einbauen hänge ich die Kette als erstes wieder auf das kleinste Ritzel und stelle den Rahmen mehr oder weniger einfach nur auf das Rad. Das geht mit ein bisschen Übung fast von allein“. Noch ein Tipp zum Einbauen: Die Nabenspannfeder sollte immer mit der schmaleren Seite nach innen zeigen. Nur so setzt sich das Rad auch in die Mitte der Halterung. Außerdem dreht man an der Mutter und nicht am Schnellspanner zu, laut Peter.

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Logo des Mantels und Ventil liegen beieinander.

Was beim Finden eines Loches im Schlauch hilfreich ist (sollte man den Übeltäter von außen im Mantel sehen können): Wenn der Mantel so über dem Schlauch sitzt, dass das Logo des Mantels und das Schlauchventil direkt beieinander sind, siehe Bild. Dann kann man den Schlauch herausnehmen und so am Mantel anlegen, dass die Position von Logo und Ventil übereinstimmen. Das Loch im Schlauch ist dann auf gleicher Höhe mit dem Übeltäter.

7. Und dann natürlich aufpumpen…

Bei der Frage nach dem maximalen Druck auf den Reifen muss Peter schmunzeln. „Die meisten pumpen die Räder viel zu stark auf! Nur weil auf dem Mantel maximal 7,5 bar darauf steht, heißt das nicht, dass auch bis Maximum aufgepumpt werden muss. Natürlich ist das abhängig vom Gewicht des Fahrers, aber er fährt tendenziell zum Beispiel nur mit 6 bar. (Anm. der Autorin: Peter ist von kleiner und schmaler Statur).
Sollte sich jemand schon einmal die Frage gestellt haben, wie viel Luft aus dem Schlauch entweicht, wenn man die Pumpe vom Ventil zieht…KEINES! Zumindest fast, denn die Luft die man hört ist zum größten teil aus dem Schlauch der Pumpe.

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So liegen die Bremsbeläge genau auf der Felge.

8. Die Räder sind eingebaut und plötzlich streifen die Bremsen?!

Keine Panik! Mit einem Inbus sind die Beläge schnell an die richtige Stelle gebracht. Zu hoch würde bedeuten, dass der Belag ständig am Mantel reibt und man hat gleich den nächsten Platten. Zu tief würde bedeuten man würde sich die Felgen kaputt machen. Keine gute Idee! Also besser mittig über der Felge ausrichten.

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Bei genauerem Hinsehen sieht man die Seilführung der Schaltzüge.

9. Zu guter Letzt die Schaltung!

Vielleicht nicht für jeden etwas zum selbst einstellen, aber hier zumindest die Basics. Durch drehen des Rädchens am Seilzug oben am Lenker stellt man nur die Spannung des Seilzugs ein. Mit den kleinen Schräubchen unten am Umwerfer hingegen reguliert man, dass die Kette nicht über das kleinste Ritzel (Schräubchen mit „High“ für höchster Gang) herunterspringt oder über das größte Ritzel (Schräubchen mit „Low“ für den kleinsten Gang) in die Speichen springt. Im Zweifel hier aber den Profi ranlassen.Manchmal hilft auch schon etwas Kriechöl/ Rostschutz in der Seilführung, damit die Kette wieder prompt umspringt.

10. Aus persönlicher Erfahrung kann ich zuletzt noch hinzufügen.

Die Anschaffung eines Radmontageständers lohnt sich!
Seitdem mache ich mein Rad viel lieber sauber! (Fahren ist natürlich immer noch schöner :))

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Das ist natürlich ein professioneller Montageständer, ein einfacher tut es natürlich auch!
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Full Service von höchster Qualität bei Radsport Stöger.

Zu allerletzt darf ich mich herzlich bei Peter & Elli Stöger bedanken, die so großzügig ihre Werkstatt „Radsport Stöger“ zur Verfügung gestellt haben und uns ihre Tipps verraten haben. Auch wenn die beiden ab Ende 2018 im wohlverdienten Ruhestand sind, gibt es die Möglichkeit beim Nachfolger nach wie vor seine Räder in Schuss zu bringen.

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