Kufsteinerland

Auf den Spuren des Kufsteiner Liedes

Eine Stadtführung der etwas anderen Art

Pünktlich zu Dienstschluss schaute ich aus dem Fenster, wie auch die letzten Tage sah ich nur Schafskälte und Regen. Aber heute stand ein tolles neues Projekt auf dem Programm. Ein herzerwärmendes. Wir durften Versuchskaninchen für die neue Stadtführung auf den Spuren des Kufsteiner Liedes sein – also auf den Spuren von Karl Ganz und seinem Welthit. Der Kufsteiner Nationalhymne.

Unsere Führerin der Austria Guides in Kufstein, Gaby Schuler, empfing uns gewohnt herzlich mit einem Lächeln im Gesicht. Tirolerisch adrett gekleidet. Wie immer.

Am schönen gotischen Marienbrunnen, direkt vor dem Kufsteinerland Info Büro, startete sie mit einem Mäppchen voller Schätze ihr Referat. Mein Team und ich waren schon ganz gespannt.

Das war Karl Ganzer

Geboren wurde der weltberühmte Karl Ganzer im nahe gelegenen Brixlegg im Jahr 1920. Er machte eine Postlehre und war eigentlich von Kind auf passionierter Musiker. In Jugendzeiten, genauer genommen im zarten Alter von 20 Jahren, lernte er seine künftige Frau Traudl (damals 16 Jahre) kennen und heiratete sie auch. Jedoch musste der junge Karl mit 20 Jahren in den Krieg einrücken. Das waren bittere Jahre für ihn. Sein letzter Einsatz war am Balkan.

Da seine Frau Traudl aus einer aus Südtirol stammenden Familie kam, fanden sie ihren späteren gemeinsamen Wohnsitz in der Kufsteiner Südtiroler Siedlung am Fuße des Kaisergebirges. In den Nachkriegsjahren verdiente sich der Weltstar zusätzlich Brot mit seiner Musik. Nach 1945 begann Kufstein touristisch zu florieren. Als erste Stadt nach der Grenze und direkt an der Bahn gelegen, war das Städtchen geprägt von einer gesunden und geselligen Wirtshauskultur, die Ganzer nicht unwesentlich positiv beeinflusste.

Eine seiner ersten Erfahrungen machte er mit der Gruppe „Die Pendelstoana“, sein Haupteinsatzort war immer das Gasthaus Auracher Löchl im mittelalterlichen Stadtteil „Römerhofgasse“. Seinen Geist und sein Wirken spürten wir bei unserer Führung auch heute noch sehr stark …. Ganzer war ein Autodidakt – beeindruckend. 1946 hatte er die Idee zum Lied, 1947 wurde es uraufgeführt. Damals im Gasthaus Waltl (Station 2 der Führung) am Unteren Stadtplatz in Kufstein.

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Die Römerhofgasse. Der mittelalterliche Stadtteil Kufsteins - oder auch: der Ort, an dem das Kufsteiner Lied entstand.

Von hier bis Japan

Das Lied besteht aus einem romantisierten Text über Kufstein am grünen Inn. Oft marschierte Ganzer mit seiner „Zugin“ auch ins berühmte Kaisertal und musizierte am liebsten im Kreise seiner Familie.

Insgesamt bekam er mit seiner Traudl 4 Kinder. Die Niederschrift seines Liedes machte ein Kollege für ihn. Sogleich erschien die erste Schallplatte. Diese wurde uns von unserer Führerin Gaby mit einem Lächeln vorgeführt :-) Das waren noch Zeiten …. Schallplatten!

In den 60er Jahren wurde das Lied dann so richtig berühmt, da es international verlegt wurde. Es wurde ein Welthit. Es wurde von Stars wie Heino, Hansi Hinterseer, aber auch von diversen anderen Genre-Musikern neu aufgenommen und ging damit um die Welt. „Bis nach Japan wird es auf und ab gesungen!“, berichtete Gaby fasziniert.

Ein paar Auszüge davon findet ihr auf YouTube. Folgend haben wir euch mal drei Beispiele verlinkt:

Das Lied wurde weltberühmt - „Kufstein lässt man auf der Autobahn links liegen, aber das Lied jodelt jeder!“, so Gaby von den Austria Guides. Mit diesem Statement besuchten wir schlussendlich die Wirkstätte in der Römerhofgasse, direkt vor dem Auracher Löchl (Station 3). Dort steht heute ein Denkmal, welches vom Rotarier Club Kufstein gespendet wurde. 1981 noch war das Kufsteiner Lied das meist verkaufte volkstümliche Lied und nur 7 Jahre später musste man sich vom Urheber verabschieden. Denn leider verstarb der Künstler sehr früh, am 1. Jänner 1988. Sein Begräbnis ähnelte einem Staatsbegräbnis und noch heute pilgern Fans zu seinem Grab am Kufsteiner Stadtfriedhof.

Alles in allem sind wir um einen Schatz reicher geworden. Nämlich viel Wissen um unseren wichtigsten Botschafter, Karl Ganzer, der das Image der Stadt noch heute wesentlich mitprägt.

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