Kufsteinerland

Max Kuen im Interview

Bist eh dabei?!

Gerade über den Sommer ist der Kufsteiner Radprofi Max Kuen viel unterwegs, um bei diversen internationalen Rennen um Podiumsplätze zu kämpfen. In diesem Jahr ist es aber auch für ihn etwas ganz besonderes, gleich zweimal quasi vor der Haustür zu starten.

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Zieleinfahrt beim Prolog der Ungarn-Rundfahrt in Siofok, 4. Platz.

Wie läuft deine Saison bisher und was waren deine persönlichen Highlights?

Also ein Highlight hätte jetzt die Ungarn-Rundfahrt sein sollen. Die ist echt gut gelaufen, ich hatte nichts, keinen Einbruch und war die ganze Zeit auf Top5-Kurs in der Gesamtwertung. Also echt super auch mit ein bisschen Wetterglück beim Prolog. Aber auf der alles entscheidenden Etappe habe ich kleine Fehler gemacht und bin am Ende 13. geworden. Das ärgert mich noch.

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Max in der Spitzengruppe der Ungarn-Rundfahrt.

Und die Österreich-Rundfahrt?

Zur Österreich-Rundfahrt habe ich ein schwieriges Verhältnis, da lief es nie gut. Ich bin sie nur gefahren, weil in Kufstein der Start war. Das war schon ein besonderes Erlebnis, aber rein sportlich mag ich das Rennen nicht so sehr.

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Vor dem Start der 3. Etappe der Österreich-Rundfahrt in Kufstein war Max ein gefragter Gesprächspartner.

Dieser Sommer ist rekordverdächtig. Bringt das als Leistungssportler in der prallen Sonne Schwierigkeiten mit sich?

Für mich ist das schon ein Problem. Gegen Kälte kann man sich anziehen, gegen Hitze kannst du gar nichts machen außer dir Wasser über den Kopf zu schütten aber das hilft nur bedingt. Ich persönlich komme bei Hitze leider nicht so gut klar.

Wie oft bist du während der Sommermonate in der Heimat?

Ich war jetzt 2 Wochen durchgehend weg. Im Juni sind wir am meisten unterwegs, im März auch. Jetzt wird es schon ruhiger bzw. es konzentriert sich alles auf die Rad WM.

Kannst du dann runterkommen oder musst du ganz normal trainieren?

Jetzt im Sommer mache ich meistens nur ruhigere Ausfahrten zwischen den Rennen. Die Grundlage wird im Frühjahr gelegt, da mache ich auch zuhause sehr viel. Je länger die Saison ist, desto weniger und weniger intensiv trainierst du. Zu viel darf man da jetzt im August auch nicht tun, sonst haut es dich zusammen.

Bleibt da überhaupt noch Zeit, um Rennen wie die Tour de France zu verfolgen?

Nur extrem wenig. Die Österreich-Rundfahrt z.B. ist ja zeitgleich, da ist man den ganzen Tag im Feld unterwegs und möchte abends nicht noch Radrennen im TV sehen.

Was ist deine Lieblings- bzw. Hausrunde im Kufsteinerland?

Es gibt nichts, was ich besonders oft fahre. Ich schaue, dass ich jeden Tag etwas anderes mache und nicht zwei Tage in Folge das gleiche. Es hier gibt viele schöne Ecken mit harten Anstiegen, wie z.B. die Ackernalm, das Sudelfeld und auch Niederndorferberg, da müssen aber die Beine gut mitspielen.

Den Kufsteinerland Radmarathon kannst du in diesem Jahr nicht fahren?

Nein, leider nicht, da sind wir in Tschechien unterwegs. Wenn ich da gewesen wäre, wäre ich auf jeden Fall mitgefahren, aber da geht die Rennkalenderplanung vom Team vor. Vor zwei Jahren ist es sich glücklicherweise ausgegangen, aber auch nur mit 3 Stunden Schlaf. Da konnte ich anschließend nicht voll reinhalten. Ich habe dann einen Freund unterstütz bis meine Beine leer waren, den Rest der Strecke habe ich genossen. Solche Jedermannrennen ohne mein Team fahre ich aber nur, wenn ich sonst keine Rennen habe.

Inwiefern wirft in dieser Saison die Rad WM in Innsbruck-Tirol ihren Schatten voraus?

Hier in Kufstein merkt man schon sehr viel mit den Fahnen, Plakaten und geschmückten Kreisverkehren. Generell wissen viele Leute, dass die WM kommt, aber nicht alle wissen, was das wirklich bedeutet und wie viel los sein wird.

Wirst du oft von Kollegen darauf angesprochen, da die Straßenrennen in deiner Heimatstadt starten?

Ja klar, also jeder der mich fragt sagt: Bist eh dabei, bist eh dabei?! Ja, bei der WM bin ich dabei aber nicht wenn wir in Kufstein starten. Wir fahren mit unserer Mannschaft das Teamzeitfahren. Da gibt es eine Ausnahmeregelung der UCI, wonach auch die österreichischen Teams da mitfahren dürfen, was sonst nicht möglich wäre. Es ist aber das letzte Mal, dass es das Teamzeitfahren im Rahmen einer WM gibt, daher haben wir auch eine Startgenehmigung bekommen. Da hat sich der ÖRV stark eingesetzt. Das Zeitfahren an sich ist eine Hassliebe von mir. Aber es gibt für uns ein Ziel und das ist, das beste österreichische Team zu werden. Top 20 insgesamt wäre schon Wahnsinn, aber bestes österreichisches Team zu sein, das ist drin und eine riesen Motivation für uns.

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Im Mannschaftszeitfahren tritt Max mit seinem Team My Bike – Stevens auch bei der Rad WM am 23.09 an.

Wo wirst du die anderen Rennen verfolgen?

Ich habe ehrlich gesagt noch keine Ahnung. Ich werde sicher normal Radl fahren und mir den Start anschauen. Und dann vielleicht in die Schwoich oder nach Angerberg und da an der Strecke schauen. Da wird es interessant, weil vor allem kleinere Nationen in die Spitzengruppe kommen wollen. Da wird es taktisch spannend und hoch hergehen. Nach Innsbruck werde ich nicht fahren. Ich mache dann noch eine kleine Runde und schaue mir die entscheidende Phase im Fernsehen an. Aber ich habe nach dem Teamzeitfahren keine Rennen mehr, von daher werde ich schon viel von der Veranstaltung mitbekommen.

Glaubst du, dass deine Landsleute bei den Heimherren etwas reißen können?

Ja, auf jeden Fall! Top10 wäre das, was zählt bei so einem Rennen. Es gibt aber aktuell so viele gute Fahrer, dass Top20 auf dem anspruchsvollen Kurs ein riesen Erfolg ist. Ich sag jetzt mal: Zwei Österreicher schaffen es da hinein. Es kommt natürlich immer drauf an, wie das Rennen taktisch läuft, aber so ein Ergebnis ist schon drin und wäre eine riesen Sache für Österreich. Der Heimvorteil und das Profil kommen unseren Fahrern da entgegen. Von den Österreichern schätze ich Patrick Konrad extrem stark ein, dem liegt so ein Kurs. Der kann auch im Sprint noch schnell sein, Top10 wäre da ein riesen Erfolg.

Was sind deine Pläne und Ziele für den Rest des Jahres und für die nächste Saison?

Also viel ist dann heuer nicht mehr. Die Südböhmen-Rundfahrt und die WM und das war es dann schon fast. Für nächstes Jahr muss ich mal schauen. Es gibt Gespräche aber ich muss natürlich sehen, dass es passt. Bis Mitte September werde ich mich entscheiden, dann habe ich vor der Rad WM Klarheit.

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Voll fokussiert an der Spitze einer kleinen Gruppe.

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