Kufsteinerland

Das Naturschutzgebiet Kaisergebirge

Ein Juwel der Alpen mit dem schönsten Platz in Österreich

Die Anzahl an Naturschutzgebieten legt - dem Himmel (oder der Erde?) sei Dank – wieder deutlich zu. Auch eine Fläche von 92 km² im Kaisergebirge zählt dazu, das gesamte Kaisertal zum Beispiel ist inbegriffen. Damit ist das Schutzgebiet eines der größten in ganz Tirol. Aber wer kümmert sich eigentlich darum? Und was wird gemacht, um das Gebiet zu schützen?


Wir haben uns auf den Weg gemacht und die Schutzgebietsbetreuer Nicole Schreyer - die gleichzeitig auch passenderweise die Bundesrätin der Grünen ist - und Philipp Larch getroffen. Die beiden erzählten uns über erfolgreiche, vergangene Projekte und geplante Erfolge für 2017.

Es lebe die Kokosnuss

Das aufregendste und aufwendigste Projekt in diesem Jahr wird die „Umweltbaustelle Stripsenalm“. Wer jetzt Kran und Betonmischer im Kopf hat, liegt falsch.

Seit einem Lawinenabgang vor Jahrzenten ist die Alm weder bewirtschaftet, noch kümmerte sich jemand um das Gelände dort. Da es extrem steil und sehr schwer zugänglich ist, kann man das auch keinem verübeln. Nun aber nimmt die Schutzgebietsbetreuung gemeinsam mit der Sektion Kufstein des Österreichischen Alpenvereins und einer Gruppe Freiwilligen, die aus zehn naturverliebten Abenteurern im Alter von 16-30 Jahren bestehen soll, die Arbeit in die Hand. Das Ganze soll Ende Juli 2017 passieren. Die gesamte Gruppe wird am Stripsenjoch einquartiert und vom Förster geschult.

Anfangs muss das Gelände erstmal von Latschen und anderen Sträuchern und Bäumen befreit werden, da die Alm sonst komplett zu wuchern würde. Diesen Vorgang nennt man „Schwenden“. Ist dies erledigt, kommen wir auch schon zu den nächsten Unruhestiftern: den „Blaiken“. Keine Sorge, auch wir wussten anfangs nicht, was „Blaiken“ sind. Es handelt sich hierbei um Anrisse im Gelände, wodurch der Boden erodiert. Die Sanierung dieser Anrisse deckt einen großen Arbeitsbereich der gesamten Umweltbaustelle.

Stripsenjoch
Eine Luftaufnahme vom Stripsenjoch. Bereits hier erkennt man, wie steil das umliegende Gelände ist.

Jetzt aber zur Kokosnuss

Die Humusschicht im Kaisergebirge ist dünn. Sehr dünn. Dementsprechend haben es die Pflanzen schwer, auf den erodierten Böden wieder von selbst zu wachsen ohne „Narben zu hinterlassen“. Um nachzuhelfen, wird der Boden mit Matten aus Kokosfasern bedeckt und mit Samen eingesät. Ziel wäre es eigentlich, Samen aus dem Kaisertal zu verwenden, vom Hinterkaiserhof um genau zu sein. Dadurch bliebe sozusagen alles in der Familie. Ob das auch möglich ist, steht aber noch nicht fest. Auf alle Fälle werden die Samen, die letztendlich verwendet werden, fachgerecht geprüft, ansonsten könnten sich Neophyten einschleichen. Somit sind wir beim nächsten Projekt angelangt.

Die Neophytenbekämpfung

Nein, wir meinen hier nicht einen frisch getauften Sprössling, sondern bleiben in der Pflanzenwelt: Neophyten sind eingeschleppte, nicht heimische Pflanzen. Und diese Neophyten bedrohen durch deren rasche Verbreitung die seltene Flora und Fauna im Kaisergebirge. Bereits in den Jahren 2015 und 2016 halfen an die 100 (!) Freiwillige mit, die Neophyten zu bekämpfen. Dazu zählen zum Beispiel das Drüsige Springkraut, der Staudenknöterich oder auch die Kanadische Goldrute. Tja, Pflanzen haben eben echt schräge Namen.

Da die Aktion sehr erfolgreich war und ist, soll sie das auch bleiben. Die Bekämpfung am Kaiseraufstieg entlang und am Tunnelportal, sowie rund um die Griesner Alm im Kaiserbachtal wird auch 2017 fortgesetzt.

Von Unken und Kammmolchen. Und Insekten. Und Vögeln.

Natürlich kümmern sich die Schutzbetreuer nicht nur um die vielfältige Flora und Fauna, sondern auch um die zwei-, vier- und sechsbeinigen Einwohner des Naturschutzgebietes.

Beginnen wir beim Monitoring der Kammmolche und Gelbbauchunken: Beide Arten sind bedroht und gefährdet. Das Monitoring-Gebiet erstreckt sich über sieben Teiche, zwei davon wurden extra geschaffen. Sieben Jahre lang wird die Populationsentwicklung schon überwacht und Maßnahmen eingeleitet, um den Lebensraum ständig zu verbessern.

Die Populationsentwicklung der Gelbbauchunken zum Beispiel wird folgendermaßen überwacht:
Jede Unke besitzt ein einzigartiges Muster auf ihrem Bauch. Ist also sozusagen ihr Fingerabdruck. Die Tiere werden eingefangen (behutsam natürlich, das klingt jetzt nämlich echt schlimmer, als es ist) und in eine transparente Box gesetzt. So kann man von unten das Muster des Bauches sehen und prüfen. Wird nun eine Unke mit ein- und demselben Muster mehrere Male gefangen, ist die Populationsentwicklung schlecht. Sind es immer mehrere verschiedene, dann steigt sie. Dieser Prozess wird von einem Amphibienspezialisten durchgeführt.

Des Weiteren wird auch die Insektennisthilfe in Hinterbärenbad neu befüllt und mit Informationen versehen. Und da Vogelgezwitscher die Idylle im Kaisergebirge so richtig perfekt, ja fast schon kitschig erscheinen lässt, steht auch eine Vogelkartierung gemeinsam mit Masterstudenten der Universität Innsbruck an. Genauer: Eulen, Uhus und Kauze werden im gesamten Naturschutzgebiet kartiert. Mit den dadurch gesammelten Daten können gezielt Schutzmaßnahmen zum Erhalt der wunderschönen, aber leider stark bedrohten Vögel eingeleitet werden.

Was das Internet für Schaden anrichten kann?

Es müssen tatsächlich auch Naturschutzgebiete unter dem Web leiden. Auf zahlreichen Internetplattformen und interaktiven Karten werden leider immer mehr „Schleichwegerl“ und Abkürzungen von Usern veröffentlicht. Das man aber mit solchen Wegen den Lebensraum von Wildtieren zerstört – die merken sich das nämlich sofort, wenn ihr Revier betreten wird und kommen nie wieder dorthin zurück – ist wohl leider den wenigsten bewusst. Auch die Pflanzenwelt ist betroffen, gibt es doch immer einen Ersten, der die Wege „zurechttreten“ muss.

Also: beim Wandern immer auf den ausgeschilderten Wegen bleiben! So könnt auch ihr zum Schutz unserer vielfältigen, wunderschönen Natur beitragen.

Abschließend aber noch eine positive Erscheinung: im gesamten Kaisertal ist auffällig wenig zurückgebliebener Müll zu finden. Das ist doch toll, oder?

#savetheplanet

Ende im Gelände.

hd-wunderschoene-berglandschaft-brentenjoch
Der Wilde Kaiser. Imposant, beinahe bedrohlich und dennoch faszinierend ist der Anblick.

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