Kufsteinerland

Auf dem Themenwanderweg „Bergbau und Kohle“ in Bad Häring

Von Stollen, unterirdischen Bränden und dem zufälligen Wandel zum Kurort

Los geht’s mitten im Zentrum von Bad Häring, dort wo sich die beiden Hauptstraßen kreuzen. Hier befindet sich auch das kleine aber feine Bergbaumuseum im Pölvenkeller im Gebäude des Cafés Linde.

Das Museum kann aufgrund der Lage sowohl zum Start als auch nach Ende der Wanderung besucht werden. Meiner Meinung nach sollte man es aber definitiv vor der Wanderung machen, da man so in die passende Stimmung kommt und das Museum die Neugierde auf die Stationen entlang des Weges weckt. Im Museum selber (Eintritt frei, täglich 9-17 Uhr geöffnet) erzählt dann der Bergmann Haui, wie das früher so war mit dem Bergbau in Bad Häring. Früher meint in diesem Fall die Zeit seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zu den Hochzeiten des Bergbaus Anfang des 20. Jahrhunderts, wo hier bis zu 400 Bergmänner in 600m Tiefe arbeiteten. Multimedia-Stationen sprechen Groß und Klein an, informieren die Besucher und vermitteln einen authentischen Eindruck.

Dann starten wir zur eigentlichen Wanderung. Diese ist mit ca. 5km und „nur“ 220 Höhenmetern kein Hexenwerk, sodass sie auch oder gerade eben für Kinder gut geeignet ist. Der sportliche Aspekt oder grandiose Panoramen stehen hier ja aber auch nicht im Vordergrund. Wie der Name schon sagt, Themen steht vor Wanderung ;)

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Im Franziskistollen brach ein Brand aus, der heute noch im Untergrund von Bad Häring schwelt.

Abzüglich dem Bergbaumuseum bleiben nun noch 13 Stationen, wobei man jetzt wieder bei 1., dem Kirchplatz, anfängt. Man geht leicht ansteigend die Kirchstraße entlang und kann sich ab der Infotafel zum Maximilianstollen voll und ganz auf die gute Beschilderung verlassen. Hier steht auch die imposante alte Grubenlokomotive. Als nächstes kommt mit dem Franziskusstollen bereits der zweite von vier Stollen. 1836 wurde dieser bei einem Brand zerstört. Alle Informationen findet man sehr ausführlich auf den Infotafeln, außerdem gibt es hier ein Quiz für Kinder, welches diesen auf spielerische Art und Weise Wissen vermittelt.

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Die Grubenlokomotive

Bergbau über Tage findet heute noch am Pölven statt. Das wird bei Station vier, dem Kalksteinbruch Pölven deutlich. Meist unterirdisch werden Mergel und Kalkstein anschließend nach Kirchbichl befördert und dort auf die Schiene verladen. Vorbei an Betonplomben, welche noch bis jetzt schwelende Brände im Stollen versiegeln (irgendwie besorgniserregend…), geht es über die hölzerne Steigertreppe (wer sich nicht traut, ein Weg führt drumherum) zur Gstettner-Brücke, welche den Lengerergraben überquert, wo Portlandzementmergel abgebaut wurde, welcher als Rohstein zur Zementerzeugung dient.

Als nächstes geht‘s es zum Stollen Nummer drei, den Theresiastollen, dem ältesten Stollen in Bad Häring, wird hier doch seit 1766 auf Initiative von Kaiserin Maria Theresia Kohle gefördert. Weiter wird am Thaler Bruch die genaue Schichtenfolge des Pölven erklärt. Die Kohle entstand hier vor 36 Millionen Jahren, das nenne ich alt!

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Der Theresiastollen

Infotafel neun klärt uns über die Förderbandanalage auf. 3,5km lang bis nach Kirchbichl, spart 30.000 LKW-Fahrten jährlich. Dank dieser unterirdischen Beförderung und dem Einsatz von modernsten, umweltfreundlichen Technologien lassen sich auch heutzutage noch Kurort und Bergbau in Bad Häring vereinbaren. Ohne wäre diese wundervolle Hochebene wohl viel weniger erschlossen.

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Förderbandanlage

Und dann stehen wir schon beim letzten Stollen für heute, dem Egger-Lüthi-Stollen. Dieser wurde in den 1920er Jahren mit dem Maximilianstollen verbunden, sodass hier ein größeres Netzwerk entstand. Der Kohlebergbau an sich wurde in Bad Häring 1956 geschlossen. „Gott sei Dank“ für die Gemeinde stieß man bei Forschungsarbeiten über die Ausdehnung der Flöze 1951 auf schwefelhaltige Heilquellen (eine der damals stärksten Österreichs), welche dann den Wandel zum Kurort mit sich brachten. Seit 1965 hat Häring den Zusatz „Bad“, 1996 erfolgte die Ernennung zum Kurort.

Vollgepumpt mit Informationen und spannenden Eindrücken aus der Welt des Bergbaus kommt man anschließend am Spielplatz an, welcher ebenfalls komplett dem Thema Bergbau gewidmet ist. Daher haben hier nicht nur Kinder ihren Spaß, sondern auch solche, die noch ein klein wenig Kind in sich haben ;)

Schon bald ist man wieder am Bergbaumuseum und hat den Rundweg absolviert. Was bleibt sind viele interessante Eindrücke auf einem Weg, der nicht sehr anspruchsvoll ist und daher von fast jedem bewältigt werden kann. Insgesamt sollte man gut 2h einkalkulieren. Wenn man sich im Museum und/oder auf dem Spielplatz länger aufhalten möchte, auch gerne etwas mehr.

Jetzt bald kommt der Herbst. Da leuchtet dann der Mischwald, der einen ca. die Hälfte des Weges begleitet, ganz besonders in den verschiedensten Farben. Noch ein starkes Argument mehr für diesen Themenwanderweg.

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