Der Berg ruft – richtiges Trinken beim Wandern

Gesundheit
von Gastautoren
Der Berg ruft – richtiges Trinken beim Wandern„In der Kältekammer selbst herrscht eine Temperatur zwischen -110 °C und -116 °C. Außerdem gibt es noch zwei Vorräume: Der erste wird auf -10 °C, der zweite auf -60 °C heruntergekühlt.“
„Insgesamt ist das Feedback positiv. Die Kälte wird schon als herausfordernd wahrgenommen, einige Patienten fühlen sich kurzatmig – aber im Nachhinein überwiegen euphorische Gefühle: Ich bin mir nicht sicher ob es daran liegt, dass die Kälte so toll ist, oder dass man wieder ins Warme darf.“ Herr Stecher lacht. „Aber es werden tatsächlich auch Endorphine ausgeschüttet und die Patienten sind zurecht stolz durchgehalten zu haben. Gerade Personen mit chronischen Schmerzen fühlen sich direkt besser!“
„Normalerweise drei Minuten, das ist die optimale Therapiezeit, die durch Dr. Papenfuß getestet wurde. Er brachte die Ganzkörperkältetherapie übrigens nach Deutschland. Länger in der Kältekammer zu bleiben macht keinen Sinn, da dann die Gefahr von Erfrierungen besteht. Zum Reinschnuppern reicht eine Minute.“
„Die Ganzkörperkältetherapie wie wir sie kennen, wurde in den 80 er Jahren in Japan entwickelt. Bereits Hippokrates erwähnte Kälte als Therapieform – bekannter sind wohl die kalten Vollbäder nach Sebastian Kneipp. Nach Deutschland und somit nach Europa brachte die Ganzkörperkältetherapie Dr. Papenfuß. Mittlerweile nutzen zahlreiche renommierte Fußballmannschaften diese Therapie zu regenerativen Zwecken.“
„Es handelt sich um eine immunmodulatorische, systemische (im gesamten Körper wirkende), physikalische Kurzzeittherapie. Die Therapie kann allgemein bei chronischen Schmerzen eingesetzt werden: Sie wirkt an den freien Nervenendigungen in der Haut. Da die Temperaturfasern schneller leiten als die Schmerzfasern wird der Schmerz sozusagen überlistet. Bei entzündlichen Gelenkserkrankungen wie Rheuma und bei degenerativen Gelenkserkrankungen wie Arthrose, die auch zu chronischen Schmerzen führen, schafft die Ganzkörperkältetherapie ebenso Abhilfe. Durch die Wirkung auf das Immunsystem können Entzündungen zurück gehen. Auch bei entzündlichen Hautkrankheiten wie Neurodermitis und Schuppenflechte gibt es positive Erfahrungsberichte. Wir setzen die Ganzkörperkältetherapie sogar bei Winterdepressionen ein! Insgesamt berichten Patienten häufig von nachlassenden Schmerzen, selteneren Krankheitsschüben und weniger Medikamentenbedarf.“
„Sehr selten entsteht Platzangst oder das Gefühl von Atemnot. Manchen Patienten ist es auch einfach zu kalt. Ausschlusskriterien sind Bluthochdruck und ein instabiles Herzkreislaufsystem. Deswegen benötigen wir auch ein aktuelles EKG.“
„Im Hotel kann man ein spezielles Kältepaket buchen – dieses wird 2019 übrigens in überarbeiteter Form angeboten. Aktuell umfasst es unter anderem zehn Ganzkörperkältetherapien. Die Ganzkörpertherapien kann man auch einzeln, im 10er oder 20er Paket kaufen – und das auch als Nicht-Hotelgast!
So oder so wird ein gültiges EKG benötigt. Bevor die eigentliche Therapie durchgeführt wird, muss jeder Patient in die Kältekammer schnuppern: Statt drei Minuten verweilt sie oder er eine Minute in der Kältekammer, entweder gemeinsam mit dem Therapeuten oder einem erfahrenen Patienten. Allgemein läuft die Ganzkörperkältetherapie so ab: Mit Badebekleidung, Mütze, Mundschutz, Handschuhen und festem Schuhwerk geht es durch die beiden Vorräume mit -15 °C und – 60 °C. Das dient zum einen der Gewöhnung und zum anderen nimmt man so weniger Feuchtigkeit mit in die Hauptkammer. Eine trockene Luft ist wichtig, um die Kälte aushalten zu können. In der Hauptkammer selbst verweilt man dann drei Minuten, während man sich langsam durch den Raum bewegt und gegebenenfalls schmerzende Körperteile mobilisiert. Durch ein Fenster besteht die ganze Zeit Blickkontakt zum Therapeuten. Wenn die drei Minuten abgelaufen sind, geht man durch die Vorräume zurück ins Warme. Optimal ist es, wenn die Ganzkörperkältetherapie zweimal täglich über mehrere Tage hinweg durchgeführt wird. Die Verbesserungen des Krankheitsbildes können bis zu einem Jahr anhalten.“
Damit ich mir selbst ein Bild machen kann, geht es im Anschluss an das Interview zum Schnuppern in die Kältekammer. Herr Stecher erklärt mir noch einmal die Funktionsweise der Kammer und bevor ich das Ganze noch mal überdenken kann, finde ich mich im ersten Vorraum wieder. -15 °C, das kennt man ja bereits von kalten Wintertagen, also weiter in den zweiten Vorraum. -60 °C fühlen sich dann doch schon etwas frischer an und bevor ich mich daran gewöhnen kann, öffnet sich die Tür in die eigentliche Kältekammer. Etwas mulmig ist mir schon, doch zunächst stelle ich gar keinen großen Unterschied fest. Im Kreis gehend verwickelt Herr Stecher mich in ein Gespräch – klar, so geht die Zeit schneller vorbei. Doch eine Minute kann ganz schön lang sein: Langsam schleicht die Kälte in den Körper, das Atmen fällt schwerer, ich konzentriere mich darauf ruhig zu atmen. Eiseskälte trifft es mittlerweile ziemlich gut. Die Unterarme beginnen etwas zu schmerzen. Noch zehn Sekunden durchhalten. Ich bin erleichtert, als Herr Stecher die Tür zu den Vorkammern öffnet, -15° C fühlen sich plötzlich ziemlich angenehm an. Als ich den Vorraum verlasse durchströmt mich sofort eine angenehme Wärme.
Zusammengefasst kostet es schon etwas Überwindung und Durchhaltevermögen – aber es fühlt sich gut an, wenn man die Kälte wieder verlässt: Im Nachhinein alles halb so wild.
Ich kann mir gut vorstellen, dass die extreme Kälte Menschen mit chronischen Schmerzen Erleichterung verschafft.
*Alle Bilder der Kältekammer sind Musterbeispiele
0 Kommentar(e)
Mehr Kommentare