Kufsteinerland

Die Tiroler Festspiele Erl gehen neue Wege

Das erste Programm unter der Leitung des Intendanten Bernd Loebe

„Never change a winning team“, lautet ein bekanntes Zitat. Trotzdem sind manchmal Veränderungen notwendig, um neben Altbewährtem wieder Raum für Neues zu schaffen. Und so war es auch in Erl. Nachdem Festival Gründer Gustav Kuhn im Sommer 2018 seine Funktion als Intendant zurücklegen musste, übernahm Bernd Loebe, einer der angesehensten Operndirektoren Europas, im September 2019 die künstlerische Leitung und Geschäftsführung.

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Bevor wir die erste Saison der Tiroler Festspiele Erl unter neuer Intendanz Revue passieren lassen, ein kurzer Rückblick, wie alles begann.

Die Anfänge der Tiroler Festspiele Erl

Die Festspiele wurden 1997 von Karajan-Schüler Gustav Kuhn gegründet und im Sommer 1998 mit der Oper „Das Rheingold“ eröffnet. Kuhn verstand es, Hochkultur, Volkskultur und andere Musiksparten geschickt zu verknüpfen und machte Erl zum Nabel der Tiroler Musikwelt. In ihrer Anfangsphase begannen die Festspiele um Mitternacht am Kalvarienberg mit traditioneller und zeitgenössischer Musik. In der Dunkelheit marschierten die Musikbegeisterten auf eine Anhöhe über dem Dorf, begleitet von Fackeln und Klängen junger Komponisten. Andreas Schett, der mit seiner international bekannten „Musicbanda Franui“ das erste Mal 1999 am Kalvarienberg aufgetreten ist, erinnerte sich: „Wir hatten da ein Kunstereignis kreiert, „Glockenfall“, das einer Erler Sage nachempfunden war. Wir mussten bei strömendem Regen spielen, es war ein fürchterlicher Auftritt.“ Ort und Uhrzeit der Eröffnung haben sich mittlerweile zum Wohle aller Beteiligten geändert!

In Ermangelung einer eigenen Spielstätte fanden die Festspiele 15 Jahre lang nur im Sommer statt. Opern und Orchesterkonzerte wurden im – nicht beheizbaren – Passionsspielhaus aufgeführt, für Kammerkonzerte standen die Dorfkirche und der Saal im Gasthof „Blaue Quelle“ zur Verfügung. In den Jahren der Passionsspiele bezog man Ausweichquartiere in Kufstein und Innsbruck.

Die Ära Hans Peter Haselsteiner – Partner der Kunst

Als begeisterte Wagnerianer suchten der Unternehmer Hans Peter Haselsteiner und seine Frau Ulrike eine Alternative zu Bayreuth. Sie hörten vom guten Ruf der Erler Festspiele und überzeugten sich schließlich selbst beim „Ring des Nibelungen“. Es dauerte nicht lange, bis Haselsteiner seine Idee, ein beheizbares Festspielhaus zu bauen, umsetzte. Aus einer ursprünglich geplanten „Theaterscheune“ wurde ein 36-Millionen Euro Projekt, das mit 20 Millionen Euro von der Haselsteiner Familien-Privatstiftung finanziert und nach nur 2-jähriger Bauzeit am 26. Dezember 2012 feierlich eröffnet wurde. Sein finanzielles Engagement kommentierte Haselsteiner mit den Worten: „Wenn man die Tiroler Festspiele Erl dauerhaft in der Kulturlandschaft Österreichs verankern will, dann muss man ihnen ein Winterhaus ermöglichen.“ Ein von ihm ebenfalls finanzierter Zubau um weitere 15 Millionen Euro steht kurz vor der Fertigstellung.

Seither werden die Sommerfestspiele durch die Winterfestspiele und den „Zwischenzeit-Konzerten“ ergänzt und bieten ein einmaliges Angebot für Liebhaber von Oper und klassischer Musik. Grundsätzlich finden die Vorstellungen im Festspielhaus statt. Große Opern - wie Wagner und Strauss – bleiben in der Regel dem Passionsspielhaus vorbehalten.

Die ersten Winterfestspiele unter neuer Intendanz

Wie für Kuhn steht auch für Loebe der „uneingeschränkte Wille zur Qualität“ im Vordergrund. International bestens vernetzt, hat Loebe schon viele KünstlerInnen bei ihren Karrieren unterstützt und einige junge, vielversprechende Talente konnte er schon für seine erste Spielsaison in Erl verpflichten. Hier gibt es einen „Erler Geist“, denn niemand kommt des Geldes wegen her, so der neue Intendant. Es gelang ihm auch, den renommierten englischen Pianisten und Brendel-Schüler Paul Lewis nach Erl zu holen, der mit zwei Vorstellungen das Beethoven-Jubiläumsjahr einläutete und das Publikum verzauberte.

Pressekonferenz_Tiroler_Festspiele_Erl (c)PeterKitzbichler
Pressekonferenz der Winterfestspiele 2019/2020 (links) Intendant Bernd Loebe (rechts)Präsident Hans Peter Haselsteiner

Sorgfältig ausgewählt war auch das Programm. „Die klassische Musik soll Trost spenden in Zeiten, wo mehr negative Schlagzeilen den Alltag bestimmen“, betont Loebe. Werke u.a. von Bach, Beethoven, Schubert, Donizettis L’elisir d’amore oder Antonín Dvořáks Oper Rusalka standen auf dem Spielplan. Erstmals gab es jeweils drei – anstatt bisher nur zwei – Opernaufführungen, die beim Publikum großen Anklang fanden. Während Kuhn - Dirigent, Regisseur, Komponist und Autor in Personalunion - die meisten Aufführungen selbst dirigierte, setzt Loebe auf eine breite Vielfalt. So standen erstmals viele internationale Künstler am Dirigentenpult und brachten „frischen Wind nach Erl“. Euphorischer Applaus aller Aufführungen bestätigten Loebes Strategie, die auch anspruchsvolle Operninszenierungen vorsieht.

Die Sommerfestspiele 2020 werden fortgesetzt mit Wagner, Rossini, der Humperdinck Oper „Die Königskinder“ sowie großen Orchester- und Kammermusikkonzerten. Außerdem wird es erstmals einen Jazzabend geben. In Anlehnung an die Winterfestspiele wird das zukünftige Programm bunt und abwechslungsreich.

Auch das Angebot für Kinder und Jugendliche wurde erweitert. Schon im Dezember gab es zwei ausverkaufte Aufführungen der konzertanten Kinderoper „Rusalka“. Im Juni folgt dann das Familienkonzert „Lohengrin der Schwanenritter“.

Der 8. Festspielwinter, der die Handschrift des neuen Intendanten Bernd Loebe trägt, erwies sich als voller Erfolg und sorgte für einen perfekten Abschluss von 2019.

In Erl gibt eben die Musik den Ton an!

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