Kufsteinerland

Kaisertal-Insider

Lustige Geschichten aus früheren Zeiten

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Was man in den Hütten am Fuße des Wilden und Zahmen Kaisers alles erlebt

Keine Straße, kein Zug und kein Flugplatz: Nur 307 Stufen trennten das Kaisertal bis 2008 von der „Außenwelt“. Kann man dort leben? Ja, sehr gut sogar! Das bestätigen die lustigen Geschichten von früheren Zeiten. Die sympathischen Wirte auf den sieben Almen versorgen die Wanderer auch heute noch mit der Extraportionen Schmäh und anderen Tiroler Spezialitäten. Lisi Schwaiger ist pensionierte Wanderführerin und kennt das Kaisertal wie ihre Westentasche. Und die dazugehörigen Anekdoten. Von biertrinkenden „Goaßn“ bis hin zu Wirten, die ihren Gästen die Wanderschuhe verstecken…

Abseits des Mainstreams

Kufstein hat rund 18.000, das Kaisertal zum Vergleich zwischen 30 und 50. Die Rede ist von der Einwohner-Zahl. Und die ist im charmanten Tal zwischen Zahmen und Wilden Kaiser definitiv überschaubar. „Dort kennt jeder jeden und die Hilfsbereitschaft hat keine Grenzen. Immerhin war das Tal bis 2008 nur über 307 Stufen erreichbar, bis der Verbindungstunnel, den übrigens nur Anrainer benutzen dürfen, gebaut wurde“, erzählt Lisi Schwaiger. Und das ist auch gut so. Autos würden in der faszinierenden Almlandschaft unter den schroffen Felsen des Kaisergebirges fehl am Platz sein.

Und weil es dort so schön ist, zieht es regelmäßig Wanderer in Scharen ins Kaisertal. Unendlich viele Routen schlängeln sich dort in Richtung Gipfel. „Alle Touren starten vom Parkplatz beim Kaisertalaufstieg. Eine Familientour ist die Wanderung zur Antoniuskapelle, für erfahrene Alpinisten lohnt sich die dreistündige Tour aufs Hinterbärenbad“, verrät Lisi. Und schon folgen unzählige Kaisertal-Insider, die uns Lisi mit einem breiten Grinser im Gesicht erzählt: „Früher war doch einiges anders…“

Der Wirt, der nicht loslassen wollte

„Herr Ober, zahlen bitte“. Wenn der Gast um die Rechnung bittet, erscheint normalerweise der Gastwirt in wenigen Minuten mit seiner Geldtasche. Nicht im Kaisertal. Oder besser gesagt im Alpengasthof Pfandlhof. „Wenn der alte Wirt vom Pfandlhof gut gelaunt war und seine Gäste die Alm verlassen wollten, ging es für ihn erst richtig los. Dann wurde mal eine Runde Schnaps ausgegeben, damit sie ja nicht auf den Gedanken kamen zu gehen. Und wenn das alles nichts brachte, sperrte er einfach die Türe zu. Dann gab es endgültig kein Entkommen mehr für seine Gäste“, schmunzelt Lisi Schwaiger.

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Der „Schmähführer“

Auf der Alm da gibt´s ka Sünd. Und es hat auch einige Senner gegeben, die gerne die vorbeiwandernden Gruppen mit erfundenen Geschichten „angeschwindelt“ haben. Ein Hirte lockte mit frischer Buttermilch seine „Opfer“ in den Stall bevor er ihnen folgende „Lüge“ auftischte: „Vergangenen September versanken wir hier oben im Schnee. Damit meine Kühe nicht verhungerten, musst ich ihnen jeden Tag Knödel kochen, damit sie über die Runden kamen“. Und laut Lisi Schwaiger konnte er das so ernst erzählen, dass es ihm die Gäste sogar abkauften.

Der Hühnerhypnotiseur

Hühner? Hypnotisieren? Warum eigentlich? „Weils lustig aussieht, wenn die Hühner verkehrt am Boden liegen und sich nicht mehr bewegen“, grinst Lisi und erzählt weiter: „Seit 13 Jahren gibt es im Kaisertal einen Senner, der sehr intensiven Kontakt zu seinen Hühnern pflegt. Jedes Mal, wenn Wanderer bei seiner Alm vorbeigehen, übt er sein Kunststück mit seinen gefiederten Tieren. Er hypnotisiert sie, bis sie starr in der Wiese liegen“, erklärt Lisi. Eine Attraktion für vorbeiwandernde Gäste, die so etwas bestimmt noch nie in ihrem Leben gesehen haben. „Aber keine Angst, es schadet den Hühnern nicht und sie können sich dabei nicht verletzen“, fügt Lisi mit lachender Stimme hinzu.

Brotzeit für die Kühe

Kühe fressen Gräser und Kraftfutter. Es gibt aber einen Almbesitzer im Kaisertal, der seine Kühe mit einem Stück Brot „verwöhnt“. Und das funktioniert so: „Wenn die Kühe auf den Wiesen grasen, ruft er sie alle beim Namen – und jedes der Tiere weiß ganz genau, wie es heißt. Sie kommen dann gemächlichen Schrittes und bevor sie nicht ein Stück Brot bekommen setzen sie freiwillig keinen Fuß in ihren Stall. Das hat der Senner ihnen so gelernt. Und schaden tut es ja schließlich auch keinem…“, gibt Lisi preis.

Wenn ein Bergschuh über Nacht verschwindet…

Das Hinterbärenbad ist bekannt für abenteuerliche Klettertouren. In der gleichnamigen Hütte quartieren sich immer wieder Bergsteiger und Vertikalakrobaten ein. Aber – wie es im Hochgebirge so ist – spielt das Wetter nicht immer mit für alpine Ausflüge. Und wer, wenn nicht der Hüttenwirt selbst, kann am besten eine Vorhersage prognostizieren. „Der frühere Wirt war redselig und stand seinen Gästen stets mit Tipps und Tricks beiseite. Eines konnte er aber absolut nicht leiden. Wenn Wanderer oder Kletterer seine Wettervorhersagen einfach nicht beachteten und der Gefahr eines Umschwungs am nächsten Tag einfach trotzten. Da konnte es dann sein, dass über Nacht plötzlich nur noch ein Schuh statt zwei im Vorraum standen. Die anfängliche verärgerte Laune der Gäste verwandelte sich dann spätestens nach den ersten Gewittern und Regenschauen in Dankbarkeit“, schildert Lisi, die noch einen Ratschlag hat: „Auf Einheimische soll man eben hören, sie spüren einen Wetterumschwung quasi im kleinen Zehen!“

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Einmal Bier für die „Goaß“ bitte

Ja, richtig gelesen. Nicht nur Almwirte trinken im Kaiserbachtal ein Bier als „Betthupferl“. „Da gab es einen Senner, der sich jeden Abend mit seiner Geiß in die Wiese setzte und Bier trank, bevor sie ins Bett gingen. Alleine die Vorstellung bringt einen ja zum Lachen. Das ist aber wirklich eine wahre Geschichte“, betont Lisi. Und wer weiß, vielleicht hat das Biermischgetränk „Goaß“, das aus Weißbier und Cola besteht, von dort oben seinen Namen bekommen?

Von schlafenden Wirten auf der Alm

Der ehemalige Hüttenbesitzer auf der Vorderkaiserfeldenhütte war bekannt für seine lustigen Geschichten und seine Gastfreundschaft. Er verlor bei einem Unfall ein Auge, das durch ein Glas ersetzt wurde. Der schlimme Vorfall brachte ihm aber in bestimmten Situationen auch Vorteile: „Wenn er schon sehr müde war, aber trotzdem seine Gäste nicht im Stich lassen wollte, setzte er sich mit ihnen noch an den Tisch, stützte einen Arm auf das gesunde Auge und lauschte den Anekdoten der Wanderer. Dachten seine Gäste zumindest. Denn das Glasauge konnte er ja nicht schließen. So konnte er in aller Ruhe einen „Powernap“ einlegen, ohne dass seine Gäste – die bestimmt nicht mehr ganz nüchtern waren – davon Wind bekamen“, offenbart uns Lisi abschließend.

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