Kufsteinerland

Tradition hoch zu Ross in Thiersee!

Der Leonhardiritt in Thiersee

Prächtige Gespanne, stolze Rösser und ihre schmucken Reiter eifern beim alljährlichen Leonhardiritt mit der herrlichen Bergwelt des Thierseetals um die Wette. Das ganze Schauspiel getaucht in die Farbenpracht des goldenen Herbstes.

Immer Ende Oktober werden von heimischen Pferdebesitzern und Liebhabern ihre edlen Rösser aufs feinste gestriegelt, die Mähnen gekämmt und geschmückt, das Zaumzeug aufpoliert, die Kutschen aus den Unterständen geholt und liebevoll dekoriert. Zum traditionellen Leonhardi-Umzug wollen sich Tier und Reiter von ihrer besten Seite zeigen.

Aber wie ist dieser Brauch, diese Prozession zu Pferd, welche mittlerweile zu einer der schönsten Traditionsveranstaltungen im Tiroler Unterland zählt, eigentlich entstanden?

Veranstaltet wird die feierliche Prozession vom Noriker Pferdezuchtverein Thiersee, welcher schon 1909 gegründet wurde und 1994 diesen alten Brauch als einen Ausdruck der Wertschätzung von historischem und kulturellem Erbe wiederbelebte. Der Obmann des Vereins, Daniel Kaindl, erzählt mir, dass heuer wieder mehr als 80 Reiter und 25 Gespanne dabei sein werden.
Die ganz besonderen Festwägen mit langer Tradition wie der „Notburga-Wagen“, der „Erntedankwagen“ der Landjugend, das Gespann mit den Motiven „Glaube-Liebe-Hoffnung“ und natürlich der Wagen mit der Statue des hl. Leonhard dürfen natürlich nie fehlen.

Zahlreiche Vereine des Tales wie zum Beispiel der Passionsspielverein, die Feuerwehr, die Volkstanzgruppe und die Frauen in Kasettl Tracht (eine Unterinntaler Festtagstracht) sind ebenfalls auf den festlich geschmückten Wägen
vertreten und lassen sich die Teilnahme an diesem Event nicht nehmen.

St.NikolausKirche_Hinterthiersee_Kirchturm
St. Niklaus Kirche in Hinterthiersee

Aber begründet wurde die Prozession bereits um 1704 nach dem sogenannten „Bayrischen Rummel“ – so steht es in den Annalen.
„Tirol war zwar wieder frei, aber die Festung Kufstein blieb in bayrischer Hand.“ Die umliegenden Gemeinden sollten den Besatzern einen Treueschwur ablegen und die Waffen abliefern, um damit von einer Beteiligung an der Rückeroberung Abstand zu nehmen. Diesen Forderungen sind die Thierseer wohl nicht in ausreichendem Maße nachgekommen.

Als am 12. August 1704 ein bayrischer Truppenteil durch das Tal zog, leisteten sie Widerstand und unterlagen. Zur Strafe ließ der bayrische Kommandant alle Häuser von Vorderthiersee bis Mitterland in Brand stecken, darunter auch die Pfarrkirche. Verfolgt von den bayrischen Soldaten flohen die Leute nach Hinterthiersee. Während sie in der Kirche um Rettung beteten, versuchten die Soldaten, das Vieh der Hinterthierseer Bauern als Beute wegzutreiben. Die Tiere gerieten in Panik und waren nicht zu bändigen. Schließlich zogen die Soldaten unverrichteter Dinge ab.
Zum Dank für ihre Rettung aus der Kriegsgefahr gelobten die Thierseer einen alljährlichen Viehumtrieb, aus dem dann der Leonhardiritt entstand.

Zum 300-Jahrjubiläum im Jahr 2004 wurde auf dem Dorfplatz in Hinterthiersee bei der St. Nikolaus Kirche sogar eine eigene kleine Gedenkstätte errichtet. Das restaurierte Ölbild darin erinnert noch heute an das Geschehen von 1704.

Nun formieren sich seit 1994 immer wieder am 4. Sonntag im Oktober, Kutschengespanne, Reiterinnen und Reiter in Mitterland zum Festzug in das 2 km entfernte Hinterthiersee und sammeln sich dort vor der St. Nikolauskirche zur Feldmesse. Ein feierlicher Augenblick für alle Teilnehmer und ein farbenfrohes Bild für die zahlreichen Besucher aus Nah und Fern.

Ja und übrigens ….

„Der heilige Leonhard“ gilt als Nothelfer und Schutzpatron für das Vieh, insbesondere für die Pferde. Der heilige Leonhard wird von Bauern, Stallknechten, Fuhrmannsleuten, Schmieden und Schlossern angerufen. Alte Bauernregeln zum Gedenktag des hl. Leonhard am 6. November sagen uns ….

„Wie’s Wetter an Leonardi ist, bleibt’s bis Weihnachten gewiss.“
„Nach der vielen Arbeit Schwere, an Leonhardi die Rösser ehre“

Leonhardiritt_Thiersee_Pferde_Gespann_Dorfplatz
Ausdauerndes Noriker Pferd

Und was ist eigentlich ein Noriker?

Beim Noriker Pferd handelt es sich um ein mittelschweres, kräftiges und ausdauerndes Gebirgskaltblutpferd. Eine Besonderheit des Norikers liegt in der Vielfalt der vorkommenden Farben, neben den am stärksten vertretenen Rappen, Braunen und Füchsen gibt es noch die unterschiedlichsten Schattierungen. Und der Name leitet sich aus Noricum ab, ein Gebiet des einstigen römischen Imperiums. Der Noriker wurde früher in den alpinen Gebieten hauptsächlich als Arbeitspferd genutzt und wird heutzutage als Sport, Reit- und auch als Kutschenpferd eingesetzt.

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