Kufsteinerland

Ein spannender Streifzug mit dem Kufsteiner Nachtwächter

Ein Stadtrundgang der besonderen Art

Liebe Leute lasst euch sagen, die Turmuhr hat neun geschlagen! Pünktlich tritt er in Erscheinung der Kufsteiner Nachtwächter am vereinbarten Treffpunkt, dem Marienbrunnen am Unteren Stadtplatz. Einen schwarzen Umhang und Hut trägt er und führt Hellebarde und Laterne mit sich.

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Nachtwächter Harald wartet auf die Teilnehmer der Führung.
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Nachtwächter Harald


Wir, ein kleines aber äußerst interessiertes Grüppchen, scharren uns um den dunkel gekleideten Mann mit Bart. Freundlich schaut er uns hinter seinen runden Brillengläsern an und stellt sich erst einmal kurz vor.

Der Nachtwächter ist natürlich nur eine Art Kunstfigur, Harald ist im wirklichen Leben eigentlich Wanderführer aus Passion, leidenschaftlicher QiGong- und TaiChi-Trainer und für den Tourismusverband Kufsteinerland tätig.

Aber heute an diesem milden Frühlingsabend versetzt Harald uns direkt zurück in das Mittelalter, eine düstere, gefährliche Epoche und durchaus nicht so romantisch wie sich so einige diese Zeit vorstellen mögen.

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Treffpunkt: Marienbrunnen

Aber auch von so mancher wahren Begebenheit aus der neueren Kufsteiner Historie und von so mancher gruseligen Sagengeschichte, wird er uns im Laufe der Führung noch berichten.

Die historische bunte Häuserzeile am „Unteren Stadtplatz“– laut unserem Protagonisten im Mittelalter sicher nicht so farbenprächtig, sondern düster und grau – bildet die perfekte Bühne.

Liebe Leute lasst euch sagen …!

Finster und gefährlich waren die Straßen damals in den Abend- und Nachtstunden. So manches Diebsgesindel, Raufbolde und zwielichtige Gestalten trieben ihr Unwesen in den engen Kufsteiner Gassen. Die Mauer an Mauer gebauten Häuser und offenen Feuerstellen in den Haushalten bildeten eine weitere Gefahr für die Bürger. Ein kleiner, erst noch harmloser Feuerfunken, konnte rasend schnell in eine Feuersbrunst umschlagen und ganze Straßenzüge in Schutt und Asche legen.

Anfangs wechselnden sich ehrbare Stadtbewohner bei nächtlichen Rundgängen ab um für die Sicherheit der schlafenden Bevölkerung zu sorgen, dann – so war es auch in Kufstein – begab man sich auf die Suche nach einer furchtlosen Person, welche diese Aufgabe dauerhaft übernehmen konnte. So entstand der Beruf des Nachtwächters.

Beliebt war er aber trotzdem nicht der Nachtwächter. Es war ein „unehrenhafter Beruf“ und er wurde im gleichen Atemzug wie der örtliche Totengräber und der Scharfrichter genannt. Mancherorts stand er sogar in Verdacht mit dem Teufel im Bunde zu sein, weil es in der damaligen Zeit nicht mit rechten Dingen zugehen konnte, wenn jemand tagtäglich nächtliche Aufenthalte im Freien schadlos überstand.

Gespannt lauschend sind wir inzwischen am Fuße der Kufsteiner Festung angelangt. Die Nacht hat sich über Kufstein gelegt aber die starken alten Mauern und Anlagen der Burg sind hell erleuchtet und werden zu einer imposanten Kulisse für unseren Rundgang.

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Anlagen der Festung sind hell erleuchtet und werden zu einer imposanten Kulisse für unseren Rundgang.

Wir begeben uns durch einen dunklen, schmalen Durchgang hinunter zur wohl bekanntesten Straße Kufsteins, der Römerhofgasse. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Die alten Schilder und Häuserbeschriftungen der historischen Gaststätten, wie zum Beispiel dem Auracher Löchl, zeugen von einer langen Geschichte. schon im 13. Jahrhundert wurde hier Bier gebraut und natürlich auch getrunken. Von rechtschaffenen Bürgern wurde der, in den Stollen unterhalb der Festung gekühlte, Gerstensaft ebenso geschätzt, wie auch von Schmugglerbanden, die hier in schummrigen Spelunken beisammensaßen, so erfahren wir.

Und von hier, von den urigen Gaststuben aus, hat auch das „Kufsteiner Lied“ in der Nachkriegszeit seinen Siegeszug in die ganze Welt angetreten und Kufstein als Urlaubsdestination, für die damals allseits beliebte Sommerfrische in den Tiroler Bergen, weit über die Grenzen hinaus bekannt gemacht.

Liebe Leute lasst euch sagen …! Jetzt wird’s leicht gruselig.

Durch das alte Stadttor hinaus – heute einige Meter hoch und breit – in vergangenen Zeiten gerade mal für einen Reiter durchgängig – gelangen wir zur Innpromenade. Die schwarzen Umrisse der umliegenden Berggipfel und das dunkle, träge und magisch dahinfließende Wasser des Flusses sind eine passende Gelegenheit für unseren Nachtwächter seinen Zuhörern noch eine echte Tiroler Sage zu erzählen.

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Die schwarzen Umrisse der Berggipfel und das magisch dahinfließende Wasser des Flusses runden die Kulisse der Nachtwächterführung ab.

Es geht um die mächtige Brandenberger Hexe, um lasterhafte und gotteslästerliche Bauersleute, um eine Kegelbahn aus Brot, Butter und Käse, um ein gewaltiges Gewitter, um die sagenträchtige Entstehung des Kaisergebirges und …. mehr möchte ich allerdings nicht verraten. Am besten lässt man sich das alles bei einer Nachtwächterführung selbst erzählen.

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Unterer Stadtplatz kurz nach einem Gewitter.

Wir sind wieder an unserem Ausgangspunkt angelangt. Die Zeit ist wie im Fluge vergangen. Eine neue Sichtweise auf Kufstein hat sich uns eröffnet. Spannend und romantisch zu gleich war’s!

1 Kommentar(e)

Rosmarie Gunitzberger

03.06.2019 - 14:48 Uhr

Ich wollte schon immer wissen, welche ursprüngliche Funktion der Nachtwächter in Kufstein hatte. Danke Gitti für deine so heiter und bunt geschilderte Aufklärung.

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