Kufsteinerland

Vom Koch zum Künstler

Das Geheimnis der Metallfiguren in Niederndorf

Als „Zuagroaste“ hat mich schon lange interessiert, warum es gerade in Niederndorf so viele wundschöne, große Skulpturen aus Metall gibt.

Wohl überlegt hat der Künstler die Figuren ausgewählt: Sei es der Heilige Georg als Schutzpatron von Niederndorf, der hoch zu Pferd mit dem Drachen kämpft und am Kreisverkehr nahe der Autobahnabfahrt den Blick auf sich lenkt oder der Heilige Florian als Patron gegen Feuergefahren bei der Feuerwehr am südlichen Ortseingang. Gegenüber der Sparkasse thront ein mächtiger Bulle. Die Börsianer werden jetzt aufhorchen und denken, den edlen Spender zu kennen. Steht doch der Bulle für die „Hausse“, also steigende Aktienkurse.

Einem witzigen Frosch begegnet man an der Zufahrt zum Schwimmbad. So lustig und fröhlich sitzt er auf seiner goldenen Kugel. Da kann es noch so regnen und stürmen, aber immer wenn ich daran vorbeifahre und den strahlenden Frosch sehe, hebt sich meine Stimmung. Diesem Kunstwerk liegt Grimms Märchen „der Froschkönig oder der eiserne Heinrich“ zu Grunde.

Ja, wer ist denn dieser Feingeist, der mit so viel Feingefühl diese Objekte kreiert?

Sein Name ist Isidor Winkler, ein pensionierter Chefkoch aus Niederndorf. Während seiner aktiven Zeit hat er seine Kreativität in der Küche umgesetzt, später dann in seinen Skulpturen.

Eingeführt in die Welt der Kunst wurde er von Opernsängern der Kölner Oper. Isidor arbeitete nämlich nach seiner Kochlehre in Kufstein im dortigen Opernrestaurant und wann immer es noch freie Plätze gab, durften die Köche die Vorstellung besuchen. So kam er mit den Opernsängern zusammen, die ihn auch in Galerien und Museen mitnahmen.

Sein Beruf als Koch führte ihn in die besten Hotels weltweit und so lernte er bald alle bedeutenden Museen kennen. Zu dieser Zeit fand er besonders an der darstellenden Kunst Gefallen.

Nach Jahren der Wanderschaft kehrte Isidor nach Kufstein zurück, fand aber erst nach der Pensionierung Zeit, sich seinen Hobbys zu widmen. Im Zuge eines Kurses für Malerei an der Kunstakademie in Trier entdeckte er eine Werkstatt für „figurales Schweißen“. Jetzt war es um ihn geschehen. Diese Kunstart hat ihn so sehr fasziniert, dass er sich daran machte, seine vielen Ideen in Skulpturen aus Metall, Blech und Schrott umzusetzen.

Glücklicherweise hat Isidor einen Kunstfreund gefunden, der nicht nur seine Liebe für diese Kunstart teilt, sondern ihm auch seinen Hof als Werkstatt und sein Know-how als gelernter Schlosser zur Verfügung stellt. Mit vom Team ist auch der Gemeindearbeiter Thomas Kitzbichler. Gemeinsam wurden so viele Objekte entworfen und umgesetzt, wie etwa der Heilige Georg oder der Froschkönig.

Künstler cut
Der Künstler, der hinter diesen wunderbaren Figuren steckt: Isidor Winkler.

Ich habe Isidor persönlich kennengelernt: Ein wunderbarer, belesener, tief religiöser Mensch, der Einheimischen, „Zuagroasten“ und Gästen mit seinen Objekten viel Freude bereitet und sich mit seinen Kunstwerken ein ewiges Denkmal gesetzt hat.

1 Kommentar(e)

Christine Egger

15.02.2017 - 18:48 Uhr

Liebe Rosi, Kompliment, das hast Du wunderbar beschrieben. Mach so weiter ! Liebe Grüße Christine

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