Kufsteinerland

„Amerikaner“ und „Mahnudeln“

Kulinarisches vom Niederndorferberg

Es war einer dieser goldenen Herbsttage, als ich gemeinsam mit der Ortsbäuerin Elisabeth Kalt am Niederdorferberg Anna Bischofer auf ihrem Hof, dem „Mühlberg“, besuchte. Ja, man muss schon sehr ortskundig sein, um sich nicht zu verfahren. Und wer weiß, wohin mich mein Navi wohl geschickt hätte.

Alleine die Anfahrt ist eine Augenweide: Die Straße schlängelt sich durch bewaldete Hügel, deren Laubbäume in verschiedenen Gelb- Orange- und Rottönen unter dem klaren Herbsthimmel strahlend leuchten. Wir fahren vorbei an saftigen Wiesen, grasenden Kühen und Streuhöfen, eingebettet in eine wunderbare Bergwelt, fast kitschig bestechend schön auch der atemberaubende Ausblick auf das Inntal.
Herzlich werden wir von Anna empfangen, die schon mit Kaffee und einer ihrer Spezialitäten, den Nussstangen aus Blätterteig, auf uns wartet.

Nach einer Hofführung und nachdem die ersten Köstlichkeiten verspeist waren, erzählte mir Anna ihren Werdegang:
Viele Jahre im Dienste bei Bauern und in der „Wandberghütte“ haben sie zu einer wahren Meisterin der Kochkunst werden lassen. Als älteste von 8 Kindern trat sie bereits 15-jährig ihren 1. Dienst bei einem Bauern an. Das kam auch ihrer Blutarmut zu gute, denn der Arzt legte ihr eine „Arbeitskur“ nahe. „Gehe zu einem Bauern, dort bist du viel in der frischen Luft und das tut deiner Krankheit gut.“ Und genau so war es auch. Es dauerte nicht lange, und Anna kam zu Kräften. „Lange Tage waren es, harte Arbeit, auch die Launen der Bauern musste ich ausbaden“, meinte Anna rückblickend. Mit 23 heiratete sie und seitdem lebt Anna an einem der schönsten Flecke der Erde und fühlt sich im Kreise ihrer Großfamilie sehr wohl. Ihre Begeisterung und Liebe zum Kochen und Backen haben Anna ein erfülltes Leben beschert, abseits ihrer bäuerlichen Pflichten, die ein großer Hof mit sich bringt.

Nun aber zurück zum Kochen:

Anna hat penibel Buch geführt und viele Rezepte zu Papier gebracht. Manche davon sind knapp 60 Jahre alt. Und zwei davon möchte ich euch nicht vorenthalten:

Amerikaner

„Amerikaner“? Was ist das? Über den Namen gibt es mehrere Interpretationen: die einen sagen, die „Amerikaner“ hießen ursprünglich Ammoniakaner und leiten sich von Ammoniumhydrogencarbonat ab, einem Backpulver, das man früher verwendete. Die anderen sagen, die amerikanischen Soldaten hätten in den 1950er-Jahren die Zutaten für ihren „Cake“, (Kuchen) nach amerikanischer Art in Deutschland nicht gefunden und daher den „Amerikaner“ kreiert.

amerikaner
Der "Amerikaner"" - eine zuckersüße Verführung.

Mahnudeln

Die Mahnudeln sind eine Spezialität der Unteren Schranne und können süß mit Staubzucker oder mit einer Suppe (Wachtelbohnensuppe oder Gerstensuppe) gegessen werden. Woher der Name? Das "Mahn" kommt vom "Mähen". Diese Speise stammt also aus einer Zeit, als die Bauern früh morgens zum Mähen – mit der Hand - auf`s Feld gingen und daher eine sättigende Mahlzeit brauchten. Die Mahnudeln haben allerdings nichts mit „Nudeln“ zu tun.

mahnudeln
Sehen die nicht zum Anbeissen aus?

Bald sprachen sich Annas Koch- und Backkünste im Dorf herum und gerne nahm sie sich abseits ihrer Tätigkeit am Hof Zeit, um für die „Berger“, verschiedene Vereine und bei Festen ihre Köstlichkeiten aufzutischen. Wann immer es eine „kochende Hand“ brauchte, Anna war stets zur Stelle.

Dieser Nachmittag wird mir nicht nur wegen der Farbenpracht und herrlichen Aussicht noch lange in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen Annas Gastfreundschaft und dem überaus netten Gespräch mit ihr und Elisabeth.

Manchmal lassen sich Eindrücke oder Erlebtes nicht so recht in Worte fassen, doch dafür kann man auf Zitate zurückgreifen:
„Beurteile einen Tag nicht danach, welche Ernte du am Abend eingefahren hast, sondern danach, welche Saat du gesät hast.“
―Robert Louis Stevenson

Mit diesen Gedanken und ein herzliches Dankeschön verabschiede ich mich von Elisabeth und Anna.





* Bild aus dem Kochbuch der TBO

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