Kufsteinerland

Das Niederndorfer Millionenloch und das Gumpenbaden

Von Heilkräften und Herzensbrechern

Millionenloch? In Niederndorf? Geld, das womöglich noch von uns Steuerzahlern eingefordert wird? Nein, falsch gedacht. Hier geht’s nicht um das Geld der Steuerzahler, die das Millionenloch stopfen sollen, hier geht’s um ein Bauwerk! Wie kam also Niederndorf zu diesem Namen?

das Bauwerk Millionenloch
Das Bauwerk Millionenloch mit den drei Rohren.

1910 beschlossen die Gemeinden Niederndorf und Ebbs den Jennbach, der die Grenze zwischen den beiden Orten bildet, zu verbauen, um den vielen Überschwemmungen entgegenzutreten. Es wurde also ein 2,4 km langer Schutzdamm bis zur Mündung in den Inn errichtet. Jetzt gab es aber noch die „Ebbsen“, die parallel zum Inn verläuft und deren Weg durch die Errichtung des Schutzdammes versperrt wurde. Daher wollte man eine Rohrleitung unter dem Jennbach bauen, um den Bach durch die Niederndorfer Auen abzuleiten, damit dieser auf Erler Gebiet in den Inn mündet. Auf Grund von extremen Wettersituationen während des Dammbaues änderte man den Plan und ließ die Ebbsen durch drei anstatt einem Rohr fließen. Da sich die Kosten dadurch stark erhöhten, nannte man dieses Bauwerk im Volksmund „Millionenloch“. Auch das an der Innmündung entstandene Naherholungsgebiet wird so genannt.

Die Gefahren waren also gebannt und nun brachte der Jennbach speziell in der so dunklen Zwischenkriegszeit viel Freude nach Niederndorf und Ebbbs. Wie das?

Die Verbauung des Baches war mit 24 Grundschwellen versehen. Alle 100 m gab es eine Schwelle, um das Gefälle zu überwinden. Und eben diese Schwellen wurden als Staubecken, den sogenannten Gumpen, zum Baden, Schwimmen, Tauchen und für andere schöne Dinge genützt. Mit einfachsten Mitteln haben sich die jungen Leute dort ein Paradies geschaffen und so eine unbeschwerte Zeit verbracht. Freundschaften wurden geschlossen, ja sogar Ehen entstanden, aber auch Herzen wurden gebrochen! Dennoch gab es eine strenge Trennung zwischen den Ebbser, den Niederndorfer und den Kufsteiner Gumpen.

Aber wahrscheinlich nur bis Sonnenuntergang . . .

Neurodermitis hatte keine Chance

Neben dem sozialen Aspekt hatte der Jennbach auch noch einen gesundheitlichen: Die radonhältigen Heilquellen für Mensch und Tier. Litten die Menschen an Hauterkrankungen wie Neurodermitis (die sog. „Beiß“), schickte man sie in den Jennbach. Es dauerte nicht lange, und sie waren geheilt!

Diese unbeschwerte Zeit des Gumpenbadens endete mehr oder weniger mit dem Bau des Schwimmbades 1954 in Niederndorf. Aber das ist eine andere Geschichte…..

Ja, ohne den Jennbach gäbs kein Millionenloch. Und so fanden beide Eingang in die Analen der Niederndorfer Geschichtsschreibung.

Ein herzliches Dankeschön an den Niederndorfer Dorfchronisten Otto Hauser!

1 Kommentar(e)

Christine Egger

17.08.2017 - 15:22 Uhr

Toll geschrieben, wie immer. Danke Rosi da hast Du eine interessante Geschichte gefunden.... und Gumpen baden ist immer fein, wenn der Jenbach nicht zu kalt ist. Lg Christine

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