Kufsteinerland

Herbstzeit – Fülle – Ernte – Dank

Volle Erntekörbe, bunte Wälder und Landschaften, Nüsse und Kastanien und viele weitere Schätze.

Dies und noch viel mehr schenkt uns diese besondere Jahreszeit – Herbst. Dankbarkeit, Wertschätzung und gereifte Erkenntnisse – die Herbstzeit mit ihren reichen Gaben lässt Freude aufkommen, wenn wir uns dessen bewusst sind. Die Luft riecht so intensiv und voll erdiger Düfte. Langsam bereiten wir uns auf den Rückzug vor, der nicht nur in der Natur stattfinden soll.

autumn_kastanie_sammeln (c)pixabay (2)

Im Jahreskreis ist der Herbst der Beginn der dunklen, zurückziehenden Zeit, in der die Tage kürzer sind als die Nächte. Viele Menschen werden durch das schwindende Licht leicht melancholisch, das Vergehen und Loslassen wird bewusst. Doch der Herbst schenkt uns noch seine ganze Fülle an Farben und natürlich Früchte, Samen und Wurzeln.

Am Wegesrand begegnet einem bei herbstlichen Spaziergängen ein treuer Wegbegleiter mit selbigem Namen – der Wegerich. Speziell beim Breitwegerich befinden sich sehr lange Samenstände, die jetzt um diese Zeit reif sind. Dazu streift man mit der Hand entlang der Rispe und man erhält eine Handvoll Wegerich Samen mit Schalen, die einem sehr an die bekannten Flohsamen erinnern. Zurecht, denn dies ist dieselbe Pflanzenfamilie, nur stammen diese aus Asien und der Wegerich wächst vor der Haustür. Bekannt für die verdauungsfördernde Wirkung!

Kastanienzeit

Sammeln von Schätzen, nicht nur zum Basteln. Früher wurden die Kastanien zum Waschen verwendet, da diese Früchte sehr viele Saponine (Seifenstoffe) enthalten. (Hier das Rezept vielleicht! Hab mir heuer extra Kastanien gesammelt, um Waschmittel zu machen…!) Viele weitere Inhaltsstoffe der Kastanie wirken positiv auf unser Venensystem und werden vorbeugend und lindernd bei Krampfadern und anderen Venenleiden eingesetzt.

Dazu kann man den Ansatz als Tonic zum Einmassieren der Beine verwenden, oder man bereitet eine Tinktur aus den zerkleinerten Kastanien mit Kornschnaps zu, die man nach ca. 6-wöchiger Ziehzeit abseiht und anschließend verdünnt. Die regelmäßige Einreibung verhilft zu einem Wohlbefinden der Beine.

Heimische Vitamin bomben

Sehr besondere Wildfrüchte sind die Hagebutten, die in knalligem Rot aus den Hecken leuchten. Das Sammeln dieser Früchte lohnt sich allemal, da sie unsere heimischen Vitamin C Lieferanten sind. Vieles kann man aus Hagebutten herstellen, das ist zum einen Marmelade (sehr aufwendig, aber wertvoll), Likör, Balsam für Gelenke, dazu eignet sich auch Hagebuttenpulver und natürlich getrocknet für die Teezubereitung.

Interessant, dass beim Kochen der Hagebutten sich das Vitamin C nur sehr gering abbaut, also 80 bis zu 85% bleiben erhalten. Im Idealfall kocht man sich gleich einen Liter Hagebuttentee, füllt diesen in eine Thermoskanne und trinkt über den Tag verteilt immer wieder eine Tasse. So wird der Körper stetig mit Vitaminen versorgt, da sich das Vitamin C nicht speichern lässt. Die Früchte werden für die Teezubereitung grob gehackt und am besten über Nacht im kalten Wasser eingeweicht, dieses wird dann aufgekocht und weitere 10 Minuten ziehen lassen.

Noch eine besondere Wildbeere, aber eher selten zu finden, ist der Sanddorn. Die säuerlichen, leicht bitteren Beeren wirken zellschützend, antiviral und antiseptisch, speziell für uns Frauen eine wertvolle Frucht, da diese von der Zusammensetzung mit vielen Vitaminen und Spurenelementen auf unsere Bedürfnisse abgestimmt sind.

Dem mystischem Wacholder auf der Spur

Bewegt man sich in freier Wildnis, findet man vielleicht einen in unserer Gegend geschützten Wacholderstrauch. Die Beeren des Wacholders darf man dennoch sammeln (Botanisch gesehen sind es Zapfen). Bekannt ist seine blutreinigende, stoffwechselanregende und verdauungsfördernde Wirkung, die empfehlungswerte „Kneipp-Kur“ hat schon vielen wieder zu mehr Schwung im Leben verholfen. Als Räucherung wurde und wird der Wacholder zur Reinigung verwendet. Nach einer Krankheit wurden früher immer die Räume mit Wacholder geräuchert. Auch heute ist das Räuchern ein besonderes Ritual im Bereich der Kräuterkunde, sich einstimmen und „reinigen“.

Im Alpenraum ist der Name Kranewittbaum oder Kranewittstrauch geläufig. In früheren Zeiten erwies man dem Wacholder (ebenso wie dem Holunder) große Verehrung und grüßte mit einem Kniefall.

-Vor dem Holunder zieh den Hut, vor dem Wacholder geh in die Knie-

Die vielen Eigenschaften des Wacholders sind die reinste Hausapotheke: äußerlich angewandt als Bad oder Einreibung wirkt Wacholder antirheumatisch und hautbelebend.

Kostbarkeiten aus dem Garten

Viele weitere Beeren umgeben uns im Herbst, aber nicht zu vergessen ist auch das veredelte Obst in unseren Gärten. Dieses hat ein sehr hohes Gesundheitspotential. Um das nutzen zu können, müssen unsere Bäume und Sträucher natürlich gehegt und gepflegt werden. Die normalerweise in milden Gegenden beheimatete Weinrebe hat sich in den letzten Jahrzehnten schon sehr in Tirol behauptet (beheimatet) und hat ihren Platz im Obstbau gefunden. Erfreulicherweise gibt es schon einige Nordtiroler Winzer, die speziell für unser raueres Klima Reben züchten. Das Ergebnis ist hervorragend. Speziell die Blaue Traube enthält in ihrer Schale einen besonderen Stoff, OPC genannt. Dieser Wirkstoff erhält unsere Gefäße geschmeidig, verdünnt das Blut und schützt uns dadurch vor Gefäßverengung und deren Auswirkungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Schwörten vielleicht deshalb früher die Leute auf ihr tägliches Gläschen Wein?

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Herbsternte aus dem heimischen Garten

In diesem Sinne wünsche ich einen gemütlichen Herbstausklang zum Törggelen mit Wein und Kastanien!
Wenn wir dem Rhythmus der Natur gefolgt sind, haben wir auch genug Vorräte gesammelt und uns reichlich genährt, davon dürfen in der bevorstehenden Zeit zehren – geistig und körperlich.

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