Kufsteinerland

Max Kuen setzt im Wintertraining auf neue Trainingsreize

„Ein Sommersportler wird im Winter gemacht“

Dieser Spruch ist zwar schon richtig alt, aber es ist immer noch etwas Wahres dran. Die wettkampffreie Zeit dauert meist mehrere Monate, da ist es wichtig, fokussiert und motiviert zu bleiben. Gerade wenn man viel arbeitet, es spät hell und früh dunkel wird, ist dies sicherlich nicht ganz einfach. Hier hilft es, ein ganz großes Ziel vor Augen zu haben, welches die nötige Motivation bringt. Der Winter ist eine wichtige Komponente in der Vorbereitung. Vielleicht probiert man einen neuen Weg oder neue Trainingsmethoden aus. Ob es ein Erfolgsweg ist, muss man abwarten. Aber wie schon Albert Einstein sagte: „Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und zu hoffen, dass sich etwas ändert.“

hd-langlaufen-bad-haering-cofp-1

Ich habe schon oft die Erfahrung gemacht, mit derselben Vorbereitung unterschiedliche Wettkampfergebnisse zu erzielen. Bei gleichbleibenden Trainingsreizen bleibt der Leistungszuwachs irgendwann aus. Aus diesem Grund versuche ich von Jahr zu Jahr etwas zu verändern. Sei es von Kilometern im Grundlagenbereich, über verschiedene Kraftübungen bis hin zu Intervallen auf dem Rad. Im Winter 2018/19 habe ich außerdem erstmalig komplett auf ein Trainingslager verzichtet und blieb zu Hause im Schnee. Ich stand viel auf den Langlaufskiern, was mir extrem gut tat. Ich hatte einen blitzsauberen Saisonstart.

Heuer blieb ich dieser Linie treu und verbrachte wieder viel Zeit auf der Langlaufloipe. Dieses Jahr begann ich mit Langlaufen im klassischen Stil und lief dazu ab Jänner fast jedes Wochenende ein Rennen. Die Langlaufrennen sind extrem hart und technisch sowie psychisch sehr anspruchsvoll. In meinen Augen, sind sie sogar härter als Radrennen. Warum ich mit den Langlaufrennen begonnen habe? Ich erhoffe mir davon einen besseren Start in die Rennradsaison, speziell bei den ersten Rennen. Ob das die optimale Vorbereitung war, wird sich zeigen.

Wenn ich mit Teamkollegen über meinen Winter spreche und sie erfahren, dass ich noch keine Straßenkilometer reingefahren habe, sind die Reaktionen meist erstaunt bis entsetzt. Dazu muss man aber sagen, dass ich die Kilometer auf der Rolle nicht mitzähle, obwohl diese Summe nicht ganz unbeachtlich ist. Denn diesen Winter waren es in etwa 2.000 Kilometer. Wer den Rennradsport auf Leistung ausübt, achtet zwar darauf viele Kilometer in die Beine zu bekommen, mittlerweile trainieren aber auch viele Profi-Radfahrer gerade im Winter komplett ohne das Rad. Viele französische Profis sind zum Beispiel echte Langlauf-Narren. Zu ihnen zählt Thibaut Pinot, der regelmäßig Podiumskandidat bei der „Tour de France“ ist. Auch die heimischen Profis, wie das Team von „Bora Hansgrohe“, weichen auf andere Sportarten wie das Skitourengehen aus.
Mir wurde mal gesagt, dass zwei Stunden Langlaufen mit vier Stunden Radfahren gleichzusetzen sind. Nimmt man die Rad-Trainingsstunden x 1,5, kann man die Trainingsdauer beim Skitourengehen ermitteln, um den gleichen Trainingseffekt zu erzielen. Es gibt also Trainingsalternativen mit anderen Belastungsreizen, mit denen ebenfalls sehr gute Trainingseffekte erzielt werden können.

Jeder Sportler hat andere Ansichten und Vorlieben zur Rennvorbereitung. Einige bevorzugen es, weiter Kilometer auf dem Rad runter zu spulen, sei es auf der Rolle oder im Freien.
Radrennen werden zu meist im Kopf entschieden, deshalb denke ich, dass es wichtig ist, im Winter nicht nur auf dem Rad zu sitzen. Ich empfehle jedem, der ein Kopfmensch ist, ein alternatives Training im Winter. Gerade um den Kopf mal frei zu bekommen, um dann voller Vorfreude ins Frühjahr zu pedalieren. Mit Freude fährt es sich schneller und leichter!

MaxKuen_Langlaufen_Training_Winter_Saisonvorbereitung

Früher habe ich im Winter immer viel auf dem Rad gesessen. Es fehlte mir also nie an Vorbereitungskilometern. Die 2.000 Kilometer waren zu dieser Zeit nur ein minimaler Richtwert für das erste Rennen der Saison. Heute ist das Rollentraining nach wie vor ein großer Teil meines Wintertrainings. Ohne geht’s halt einfach nicht. Diese Form des Trainings hat sich stark entwickelt. Noch vor drei Jahren fuhr ich auf einer simplen Rolle und schaute daneben hauptsächlich aufgezeichnete Radrennen. Wenn die Fahrer in der Auszeichnung bergauf fuhren, tat ich das auch. Wenn Fahrer bergab fuhren, tat ich das auch. So war das Training erträglich.

Max_Kuen_Rennrad_Sportler_Rolle_Indoor_Training

Mittlerweile bin ich auf einen Smart Trainer von „Kinetic“ umgestiegen und habe mich auf das Abenteuer „Zwift“ eingelassen. Zwift ist eine Software, die ein interaktives Rollentraining ermöglicht. Nun fahre ich bei mir daheim virtuelle Rennen in Echtzeit gegen oder mit anderen Fahrern, die aus der ganzen Welt stammen. Das Ganze hat mein Wintertraining wirklich revolutioniert. Ausdauer-, Intervalltraining oder Rennsimulationen: Da macht der Winter großen Spaß und die Zeit verfliegt. Gemeinsam leidet es sich dann doch noch am leichtesten.

Aber ganz egal, was ihr macht und wie ihr es macht, ob ihr euch rein auf den Radpsort fokussiert oder auf Alternativen, ihr mal weniger macht oder mal mehr macht - das ist ganz egal. Wichtig ist einfach nur, dass ihr Spaß daran habt, denn dann kommt der Erfolg auch ganz von alleine. Dieser Winter ist allerdings schon so gut wie vorbei. Ich hoffe, dass ich euch einen Einblick in meine Vorbereitung geben konnte und vielleicht ist etwas dabei, das ihr nächsten Winter mal ausprobieren möchtet.

0 Kommentar(e)

Mehr Kommentare
Noch keine Kommentare zu diesem Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. *Pflichtfelder

Das könnte Sie auch interessieren