Kufsteinerland

Wo Pferde zur Schule gehen

Besuch auf der herbstlichen Haflinger Alm in Erl

Strahlend blauer Himmel, kurz vor Wochenende, reine Luft, wärmende Herbst-Sonnenstrahlen auf der Haut. In dieser besonderen Stimmung durfte ich einen besonderen Menschen mit einer einzigartigen Aufgabe kennen lernen – Taxauer Johann aus Erl.

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Johann Taxauer aus Erl. Ein interessanter Mann, mit einem interessanten Beruf.

Seit 2014 ist der Ex-Geschäftsführer des Kufsteiner Haflinger Zuchtvereins nun zuständig für die Sommerfrische der Ebbser Junghengste auf dem Erlerberg. Bereits 1955 durfte der damals 13 jährige Jungbauer 7 Kühe auf der Alm seiner Eltern betreuen. Die Gabe wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Damals bekam er sogar Freistellungen von der Schule, um in den Sommermonaten auf das wichtigste Kapital seines elterlichen Hofes zu achten.

Sein Heimathof Anzing in Erl liegt nicht unweit von der Buchaueralm (vulgo Haflinger-Alm) entfernt. Der Hof wird mittlerweile von seinem Sohn im Vollerwerb geführt.
Wie jede Generation hat dieser einiges erneuert und auf einen Laufstall umgestellt und betreut 35 Stück Vieh. Bio war schon immer sein Credo. Seine besondere Liebe zu den Haflingern hegt und pflegt er seit 1944. Am eigenen Hof wurde diese Rasse bereits in den Kriegsjahren geführt.

Nun aber zum eigentlichen Thema. Wie beschäftigt sich so ein „Alminger“ nun mit Junghengsten?

Im Vordergrund steht die Gesundheit und Erziehung der Junghengste. Im Frühjahr findet die Einfütterung statt. Mit viel Erfahrung wird am Antlitz und der Statur entschieden, ob die Hengste eine Zufütterung erhalten oder nicht. Dies passiert meist im Wonnemonat Mai. Ansonsten ernähren sich die Hengste vom gesunden Almboden.
Anhand der „Ausschau“, sprich Ausstrahlung, körperliche Konstitution und der Verhaltensweise der Junghengste startet hier nicht nur ein Höhentrainingslager, sondern auch ein
Team-Building zwischen den Tieren. Laut Johann Taxauer ist der Alminger vor allem ein Beobachter, und meint: „Wie auch beim Menschen, gibt es auch Tiere, die im Kopf wirr sind und sich in der Gruppe nicht einfügen, diese werden dann oft aus der Herde ausgeschieden…“. Der Beobachter Rolle kommt der Alminger in etwa 10 Stunden pro Tag nach.

Der Abtrieb findet dann meist im Oktober statt. Impressionen dazu seht ihr im Video:

Haflinger Hengstalmabtrieb

Warum auf die Alm? Zwischen Höhentrainingslager und Junghengst-Schule.

Wie bereits erwähnt, stehen die Erziehung und das gesundheitliche Training ganz oben auf der Zielliste von Johann Taxauer. Die Vitalitätsförderung ist ihm wichtig. Gleich wie beim Sportler ist das tagtägliche Bewegungstraining am Almboden und eine gesunde Ernährung, Licht und Luft förderlich z.B. für den Muskelaufbau und die Stärkung der Sehnen und der Lunge, Trittsicherheit und Motorik.

Zwischendurch wird das Gehorsam der Tiere trainiert. Hier arbeitet der Betreuer vor allem mit Lauten, Handzeichen und Klatschsignalen. „Das ist hartes Training für mich und die Hengste … „, meint Johann, während er mir vorzeigt, wie er den Jungtieren Anweisungen gibt. Er baut über den Sommer eine enge Beziehung zu den Tieren auf und ist „in Gedanken“ stets bei den Pferden. Auch Blickkontakt ist sehr wichtig, um mit den Junghengsten in Resonanz zu treten.

Organisation & Stallung

Auf der Haflinger-Alm gibt es 2 Stallungen für jeweils 2 unterschiedliche Jahrgänge. Oft gibt es bei der Fütterung auch Futterneid und der Alminger greift nur dann ein, wenn es aggressive Stimmung gibt. Ansonsten muss die Herde lernen, sich selbst zu regulieren. Im Vergleich zu Rindern und Schafen hat der Haflinger einen viel feinfühligeren und subtileren Umgang mit seinen Zeitgenossen und das mag Johann Taxauer auch so gerne. Zudem musste er sich viel Wissen über die Zucht aneignen. Wichtig sind hier die Generationen, Blutlinien und vieles mehr. In der Zucht sind die Junghengste das Kapital und er darf es hüten. Das ist für ihn eine ehrenvolle Aufgabe, die er noch gerne viele Jahre machen möchte.

Für mich war der Besuch auf der Alm ein wahrer Energieschub und einen Besuch kann ich nur wärmstens empfehlen. Eine Voranmeldung wird empfohlen. Gerne werden auch Schüler und Kinder über die Alm geführt.

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